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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ausstellung: Suche nach dem Traum einer Nation

20.11.2017

Emden /Assen Vom Tellerwäscher zum Millionär – der viel beschworene „American Dream“ steht für diese theoretische Chance. Doch ist dieser Traum für die Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft auch umsetzbar? Das hinterfragt die Kunsthalle Emden zusammen mit dem Drents Museum im niederländischen Assen jetzt in der Doppelausstellung „The American Dream“. Die Schau wurde am Samstag von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Emden eröffnet.

Einsam in der Masse

Es ist nach Veranstalterangaben die erste große Übersichtsausstellung zum amerikanischen Realismus in Europa. Das Drents Museum konzentriert sich auf die Kunst von 1945 bis 1965, während die Kunsthalle Emden ihren Fokus auf die Zeit von 1965 bis zur Gegenwart richtet. Die Doppelausstellung ist bis zum 27. Mai 2018 zu sehen. Die Macher rechnen insgesamt mit bis zu 120 000 Besuchern.

Erstmals widmet sich eine Ausstellung in Europa den vielen Facetten des amerikanischen Realismus von 1945 bis heute. In den Werken von großen US-Künstlern wie Edward Hopper oder Diane Arbus stehen die Lebensbedingungen der Amerikaner im Fokus.

Das jüngste Werk stammt aus diesem Jahr, es ist von Peter Saul und karikiert in Pop-Art-Manier Präsident Donald Trump, umringt von quakenden Enten.

Den Besuchern soll ein Einblick in den „American Way of Life“ geboten werden. „Die Schau ist eine große Entdeckungsreise“, sagt Kuratorin Katharina Henkel. So ist von Stone Roberts ein großformatiges Gemälde vom Grand Central Terminal zu sehen, auf dem Menschen wie in einem Wimmelbild durcheinanderlaufen, ohne aufeinander zu achten. „Wie bei Edward Hopper findet man hier das Phänomen der Vereinsamung“, sagt Henkel.

Dagegen steht das Leben auf dem Land in den USA – oder das, was sich davon als Klischee in den Köpfen festgesetzt hat. Duane Hanson schuf eine lebensecht wirkende Cowboy-Skulptur mit Lasso, die erschöpft von ihrem Tagwerk zu sein scheint. „Die Darstellung bricht mit dem Bild, das wir gemeinhin vom Cowboy haben“, sagt die Kuratorin.

Auch mit Prostitution, Kriegen sowie Aids und den Protesten der schwarzen Bevölkerung setzt sich das Museum in Emden auseinander. „Wir wollen Amerika nicht nur feiern, sondern auch die Probleme des Landes aufscheinen lassen“, betont Henkel. In einem als Diner umgebauten Raum können die Besucher ihr Wissen über historische Ereignisse wie die Kubakrise oder die erste Mondlandung auffrischen.

Während sich das Drents Museum den Niederlanden mit 60 Werken der Zeit bis 1965 widmet, setzt die 120 Kilometer entfernte Kunsthalle in Emden ihren Schwerpunkt auf die Jahrzehnte danach bis heute. Wer den Weg in beide Ausstellungen nicht schafft, hat die Möglichkeit, sie mithilfe eines Roboters virtuell zu besuchen. „Nutzer können von Zuhause aus selbstständig den Roboter durch die Räume lenken und Bilder näher heranzoomen“, sagt Projektbetreuerin Ann-Kathrin Grube.

Pilotprojekt

Die beiden Roboter bestehen aus je einem Computer samt Kamera, der auf einer Stange und einem einzelnen Rad befestigt ist. Das Pilotprojekt wird von der EU gefördert, die Nutzung ist in der Testphase nach Voranmeldung kostenlos und erfolgt außerhalb der regulären Öffnungszeiten.

„Ziel ist es, Menschen zu erreichen, die nicht mobil sind“, sagt Grube. Es sei aber so auch möglich, dass Menschen in Übersee einen Eindruck von den Ausstellungen gewinnen könnten, sagt Katharina Henkel. Eine solche Gegenüberstellung von Werken des amerikanischen Realismus sei auch in der Heimat der Werke noch nicht gezeigt worden.

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