Bremen - Wer das denkmalgeschützte alte Bremer Rathaus noch mit seinem grünen Kupferdach sehen möchte, sollte sich beeilen: Am Montag haben mit Einrichtung der Baustelle die Arbeiten zur grundlegenden Sanierung der rund 1.300 Quadratmeter großen Dachhaut begonnen. „Es regnet rein und wir können die schadhaften Stellen nicht lokalisieren“, sagte Bremens Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki. Um den historischen Dachstuhl zu schützen, müsse nun komplett neu mit Kupfer gedeckt werden. Die Sanierung kostet Skalecki zufolge rund 1,1 Millionen Euro und soll bis Mitte Oktober abgeschlossen sein.

Dann wird sich das Rathaus wie schon der gegenüberliegende Schütting und die benachbarte Liebfrauenkirche mit einem braunen Hut zeigen. Das Dach des ab 1405 errichteten alten Rathauses wurde letztmals vor knapp 90 Jahren komplett neu saniert. Das Gebäude zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der Gotik und der Weserrenaissance in Europa und wurde 2004 zusammen mit dem steinernen Roland auf dem Marktplatz in die Liste des Unesco-Welterbes eingetragen. Rathaus und Roland seien ein einzigartiges Zeugnis für bürgerliche Freiheit, entschied das Welterbe-Komitee der UN-Kulturorganisation.

Mit den Arbeiten sollen gleichzeitig Schäden im Holzgebälk behoben und „dezent“ das Tragwerk im Dachstuhl ertüchtigt werden. Durch den Klimawandel müsse zukünftig mit höheren Windlasten gerechnet werden, erläuterte Architekt Ulrich Ruwe. Damit das alles geschehen kann, wird das Alte Rathaus auf drei Seiten eingerüstet. Der Blick auf die Fassade, der Eingang zum Ratskeller und der Zugang zu den Bremer Stadtmusikanten sollen allerdings frei bleiben.

Skalecki rechnet damit, das in etwa zwei Wochen die ersten Kupferplatten abgerissen werden. Dann werden die neuen Platten aufgelegt und mit Falzen verbunden. Sie sind 0,7 Millimeter dick, zwei Meter lang und gut 50 Zentimeter breit. Bis das Dach wieder grün ist, können Skalecki zufolge Jahrzehnte vergehen. Er gehe aber davon aus, „dass ich noch einen Grünschimmer erlebe“, ergänzte der 57-jährige Landeskonservator mit einem Schmunzeln.

Bremen hat beim Bund einen Zuschuss von 880.000 Euro zu den Sanierungskosten beantragt. Das Geld käme dann aus dem Etat von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Doch wie viel am Ende fließt, sei noch nicht klar, meinte Skalecki: „Wir können aber damit rechnen, dass das Land vernünftig unterstützt wird.“ Was mit den alten Kupferplatten passiert, ist auch noch nicht entschieden. Wiederverwertbare Stücke sollen für Reparaturarbeiten am Dach des benachbarten Neuen Rathauses eingelagert werden. Aus anderen Teilen könnten Souvenirs werden.