Augustfehn - „So Tessa geh’ in die Zelle und sing’“, ruft Ingo Zach und springt auf. Die 14-Jährige betritt das „Gefängnis“. Gitterstäbe hat es keine, bloß schwarze Trennwände und einen Stuhl, alles andere ist noch in Arbeit. Genau wie der Text von Tessas Lied. Sie denkt sich einfach etwas aus, tanzt und lacht.
„Improvisationsübungen“ nennt Zach das. Der Lehrer der Oberschule Augustfehn (OBS) und Leiter der Theater-AG „Energy“ beginnt jede seiner Proben mit so einer Aufwärmphase. „Inzwischen können wir alle ganz spontan etwas spielen“, erzählt Tessa Duhm.
Die Aperin ist eine von 20 Darstellerinnen zwischen zehn und 16 Jahren, die dabei sind, gemeinsam ein eigenes Theaterstück zu inszenieren. Das Thema war vorgegeben: „Stalking“ – jemand wird belästigt und verfolgt. Alles andere konnten die Oberschüler selbst entwickeln.
Tessa spielt Oreo, dessen Freundin Lucy von einem „Stalker“ verfolgt wird, der schließlich ins Gefängnis kommt. „Angeklagt ist“ lautet der Titel der Eigenproduktion. Das Drehbuch haben Ann-Cathrin Tamke und Imke Martens geschrieben. Die beiden Aperinnen spielen gleichzeitig die Hauptrollen.
„Wichtig sind aber alle“, erklärt Imke und erzählt von den Fünftklässlern: „die spielen, wie Profis“. Außerdem ist da noch Juliane Brundiers, die nicht auf, sondern hinter der Bühne alle Fäden in der Hand hat. Als Co-Regisseurin, begleitet die 16-Jährige seit Beginn der Proben im August „ihr Ensemble“, motiviert, berät und feilt an den Texten.
„Der Feinschliff fehlt noch“, lächelt die Augustfehnerin. Sie selbst stand sechs Jahre auf der kleinen Bühne der OBS. Inzwischen studiert sie und weiß: „Viele Kleinigkeiten machen ein Stück perfekt“.
Dafür ist vorwiegend AG Bühnentechnik verantwortlich. Unter Anleitung des Lehrers Johann de Vries sorgen die zehn Schüler für Requisiten, wie Gefängnisgitterstäbe, die richtige Ausleuchtung und passende Lieder. „Die Schauspieler sagen uns, was sie haben wollen, und wir machen das“, fasst Leo Growe zusammen. Der 14-Jährige schleift lieber am Holz, als an den Texten. Ein Glück für Juliane: „Ohne Licht und Musik wäre alles wirkungslos“, sagt die ehemalige OBS-Schülerin.
In dem Stück – so viel sei verraten – gibt es kein Happy End. Dafür alles Andere. „Wut, Angst, Trauer, Humor und passende Musik – ein guter Mix eben“, sagt Imke. Und Ann-Cathrin ergänzt: „So viel Arbeit, wie wir reingesteckt haben, sollte sich das Stück jeder angucken“.
Lampenfieber haben die Jugendlichen nicht. „Katastrophen gibt es nicht, wenn man weiß, wie man wieder raus kommt“, betont Juliane. Und vor „Texthängern“ fürchtet sich keiner mehr – den Improvisationsübungen sei Dank.
