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NWZonline.de Region

Ganze Affenbande gerät außer Rand und Band

20.11.2017

Wilhelmshaven Rums, da gehen die Türen auf. New Orleans und Mardi Gras erobern trötend den Saal, der Tod mit Rhythmus-Ei ist auch dabei. Der Wahnsinn treibt es gern bunt und schrill. Man möchte meinen, erst kommt die Pracht, dann wird es Nacht. Blanche DuBois könnte ein Lied davon singen.

Ihre Rolle in dem Klassiker „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams kommt einer Häutung gleich, das Innere muss sich nach außen kehren, um dem Wahnsinn ein Gesicht zu geben. Die Inszenierung von Uwe Cramer feierte am Samstag Premiere im Stadttheater Wilhelmshaven.

Ramona Marx als Blanche DuBois bietet mit der Kraft ihrer ganzen Schauspielkunst eine mehr als eindrucksvolle Metamorphose vom Schmetterling zum Nichts. Im rauschhaften Taumel zwischen den Welten der Kowalskis und glamouröser Vergangenheit ertränkt und verliert sie ganz sanft ihren Verstand.

Um den muss sich der vitale Prolet Stanley Kowalski nicht so sehr sorgen – er, ganz Affenkönig, folgt dem Gesetz des Dschungels und nicht der gepflegten Konversation. Sven Heiß mimt den polnischen Migranten mit vollem Körpereinsatz, auch er lotet Grenzen aus. Nur seine Gegenspielerin ist ihm tatsächlich immer einen Flügelschlag voraus. Pokern, Saufen und Sex – die ganze Affenbande außer Rand und Band.

Das Lotterleben der Kowalskis & Co wird von Bühnenbildnerin Angelika Wedde in ein kleinteiliges Holzgehege gepfercht. Einfaches Gestühl, geschmacklose Enge überall. Und wenn es dann so weit ist, der Pegel seinen Stand erreicht, schleppen die Männchen ihre Weibchen rücklings die Stiege hinauf. Von dort aus haben die Nachbarn Eunice (Hannah Sieh) und der ewig italienisch plappernde Steve (Aom Flury) beste Aussicht auf das turbulente Treiben. Sportlich bewegt sich auch Johanna Kröner (auf viel zu hohen Hacken) durch das Gehege, das nicht nur eingrenzend auf die Gedankenwelt wirkt. Kröners Stella befindet sich im Spagat zwischen Ergebenheit und Erinnerung besserer Zeiten.

Letztendlich wird sie als vermeintliche Gewinnerin, mit Kind und Mann, ihre Existenz weiterführen – der Überlebensegoismus wiegt mehr als ein überholter Wertekanon. Ihre Flucht führt in die Realität, Blanche flieht in die Illusion.

Das Schauspielensemble der Landesbühne Nord nimmt für seine besondere Leistung einen minutenlangen, kräftigen Premierenapplaus entgegen.

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