LANGWARDEN - In der unendliche Geschichte um den alten Dorfladen in Langwarden wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Am Freitagvormittag hat die untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis dem Förderkreis Museum Butjadingen untersagt, das Inventar aus dem Gebäude abzutransportieren.
Für heute geplant
Für diesen Sonnabend hatten die Förderkreis-Vorsitzende Dr. Marlene Laturnus und der Architekt Siegfried Kramer ein knappes Dutzend Helfer zusammengetrommelt, die die Einrichtung aus dem Laden entfernen sollte. Eine vorsichtige Nachfrage des Architekten am Freitagvormittag im Kreishaus brachte die ernüchternde Antwort: Der Umzug muss abgeblasen werden.
Bekanntlich stehen sowohl das 1855 errichtete Wohn- und Geschäftshaus als auch die 1912 vom Kaufmann Richard Bahlmann eingebaute Ladeneinrichtung unter Denkmalschutz. Allerdings hat die Mitarbeiterin im Kreishaus dem Förderkreis einen Ausweg gewiesen: Er muss einen formlosen Antrag bei der Gemeinde stellen, die Ladeneinrichtung entfernen zu dürfen. Darin muss aufgeführt werden, was anschließend mit der Einrichtung geschieht. Diesen Antrag prüft dann die untere Denkmalschutzbehörde in Abstimmung mit dem Landesdenkmalschutz.
Wie Marlene Laturnus mitteilt, soll das Inventar zunächst in der Stollhammer Schule gelagert werden, ehe es zum Teil im Museum in Fedderwardersiel wieder aufgebaut wird – und zwar dort, wo bis vor einem Jahr eine historische Küche ausgestellt war. Komplett kann die Einrichtung erst aufgebaut werden, wenn das Museum den ersehnten Anbau bekommt.
Bevor das Inventar nach Stollhamm kommt, soll es in einem Container mit 65 Grad Hitze behandelt werden, damit der Holzwurm, von dem es befallen ist, getötet wird.
89 Jahre lang war der alte Dorfladen von Richard Bahlmann und seiner Tochter Alice Francksen betrieben worden. Erst nach einem schweren Sturz gab Alice Francksen den Laden 2001 auf, verkaufte ihn an einen neuen Eigentümer und verschenkte die Einrichtung an den Förderkreis mit der Auflage, sie als museales Element zu erhalten. Der Förderkreis verpflichtete sich, den Verkaufsraum zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der neue Besitzer verpflichtete sich, Besucher im Verkaufsraum zuzulassen. Das sei aber nie im Grundbuch vermerkt worden, bedauert Marlene Laturnus.
Als 2005 neue Besitzer einzogen, begannen sich Probleme zwischen Eigentümer und Förderkreis zu häufen. Im Oktober 2006 wurde der Laden geschlossen. Ein Gütetermin beim Amtsgericht Nordenham brachte im vergangenen Jahr keinen Fortschritt, sagt Marlene Laturnus.
Mit Eigentümer einig
Allerdings seien sich Förderkreis und Eigentümer darin einig geworden, die Ladeneinrichtung aus dem ehemaligen Geschäftshaus herauszunehmen. Deshalb ist Marlene Laturnus zuversichtlich, dass der Umzug durch den Einspruch des Denkmalschutzes nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist.
