Langwarden - Beste musikalisch-literarische Unterhaltung bot Violinist und Rezitator Ihno Tjark Folkerts in der wunderschön renovierten und lichtdurchfluteten St.-Laurentius-Kirche in Langwarden. Mit seinem Programm „Wilhelm Busch trifft Klassik“ bot der Künstler aus Sottrum bei Hildesheim den nur rund 30 Gästen, die sich in der Langwarder Kirche eingefunden hatten, einen starken Auftritt.
Äußerst lebendig rezitierte Ihno Tjark Folkerts Gedichte von Wilhelm Busch. Dazu passend ausgewählte kurze Musikstücke für Solovioline wechselten sich in der gut eineinhalbstündigen Performance mit den Rezitationen ab. Werke verschiedener Komponisten aus vier Jahrhunderten – möglichst stimmungsvoll an den Wortbeiträgen orientiert – hatte der ehemalige Orchestermusiker und Konzertmeister zusammengestellt und souverän vorgetragen, egal ob technisch schwierig oder gefühlvoll. Dabei zeigte sich die besonders im hinteren Teil der Kirche beeindruckende Akustik.
Die vorgetragenen Texte stammten allesamt von Wilhelm Busch (1832 bis 1908). Die Zuhörer lauschten jedes Mal gebannt. Denn auch die ausdrucksstarke, klare Stimme von Ihno Tjark Folkerts konnte das Publikum überzeugen. Egal, ob er kritische, nachdenkliche oder auch lustige Beiträge des Busch’schen Schaffens vortrug.
Mal wetterte er in „Der Heilige Antonius von Padua“ gegen die Doppelmoral der katholischen Kirche, mal beschrieb er das Leben als Ehemann in „Tobias Knopp“ als wenig erstrebenswert. So ließ sich auch Wilhelm Busch lebenslang auf keine Ehe ein. Nur mit seiner platonischen Geliebten, Maria Anderson, pflegte er einen zeitweise engen Briefkontakt. Auch aus diesem las Ihno Tjark Folkerts vor und führte sein Publikum damit gezielt an die vielschichtige Persönlichkeit von Wilhelm Busch heran.
Die Idee, Literatur und Klassik miteinander zu verbinden, setze Ihno Tjark Folkerts gekonnt um. Im Herbst wird der Künstler wieder nach Langwarden kommen. Dann wird es allerdings um Erich Kästner gehen.
