Lastrup - „Ich bin noch nicht mal inner Kirche, da ist der Beifall schon zu Ende“, provozierte „Erna Schabiewsky“ alias Ulrike Böhmer das Publikum zu Beginn ihres Auftritts in der stimmungsvoll illuminierten St.-Petrus-Kirche in Lastrup. Die Vorsitzende der Lastruper Landfrauen, Annegret Timme, konnte zum Programm der 55-jährigen ehemaligen Dortmunder Gemeindereferentin aus Iserlohn, die mit „Glückauf und Halleluja“ zum ersten Mal in Lastrup auftrat, 180 Besucher begrüßen. „Die Kirche ist voll wie Weihnachten. Das sind mehr Besucher, als Lastrup Einwohner hat“, kommentierte „Erna Schabiewsky“.
Schon mit ihrer Mimik und ihrem Auftreten im roten Kostüm mit kariertem Hut und Handtasche brachte Erna Schabiewsky das Publikum von Anfang an zum Lachen und zu dauerndem Schmunzeln. Mal stehend, mal sitzend plauderte sie im bedächtigen Pottjargon zum Beispiel über einen seltsamen Gottesdienst im Bergischen Land, wo der Prediger auch noch als Frauenarzt und Laienprediger tätig ist. „Nach zehn Minuten isset mir kalt vom Steinboden die Knöchel hochgegangen. Ich hatte da null komma null Andacht.“ Sie regt sich über Kirche und die Bischöfe auf, um dann das Bistum Münster zu kommentieren: „Ihr hättet schlimmer reinfallen können“. Ganz schlimm regt sich Erna auf über Leute, die wegen des Erstkommuniongedöns in die Kirche eintreten und anschließend wieder austreten. „Datt is wie beim BVB vor der Meisterschaft eintreten und danach zu Schalke wechseln.“
Ulrike Böhmer ist Kabarettistin und Theologin. Während ihres Studiums machte sie mit den „Lila Schnecken“ Frauenkabarett. Seit 2001 ist sie als Solistin unterwegs.
Sie erhielt zweimal den Kabarettpreis „Honnefer Zündkerze“. Nachdem sie lange in Dortmund als Gemeindereferentin für die katholische Kirche gearbeitet hatte, zog sie vor zehn Jahren in ihr Iserlohner Elternhaus zurück. Die Figur, mit der sie auch beim Katholikentag auf der Bühne stand, heißt Erna Schabiewsky.
Nebenbei plauderte sie über Freundin Hilde, die sich auf dem Weg in die „Stadt der Liebe“, Rom, mit einem Herz-Teddybär vom Liebsten besänftigen lässt und auf dem Boden liegend Michelangelo-Bilder in der Sixtinischen Kapelle guckt. „Ich habe drei Flaschen Eierlikör gebraucht, um der Hilde zu erklären, dass Gott nicht der alte Mann mit Bart ist, wie ihn der Michelangelo gezeichnet hat.“
Anfangs humorvoll entwickelte sich auch die kfd-Geschichte um die Liebe von Bärbel zu Eva-Maria, die es ja laut Kirche nicht geben dürfe, weil davon nichts in der Bibel stehe. „Erna Schabiewsky“ alias Ulrike Böhmer fragte dann völlig ernst werdend, „warum sich Männer in Frauenkleidern anmaßen, über Moral zu urteilen“. Denn in der Bibel stehe auch nicht, dass es Prälaten, Kardinäle oder Kirchensteuern geben müsse. „Die Moral und das Abendland gehen nicht unter, wenn Frauen Frauen oder Männer Männer lieben. Das Abendland geht unter, wenn Kinder unter Brücken leben und betteln; wenn Kinder in Asien in Fabriken schuften, damit wir billigere Kleidung haben; wenn Kinder im Mittelmeer ertrinken, weil wir die Grenzen dicht machen; wenn Kinder mit Geld zugeschüttet werden, aber die Eltern keine Zeit für sie haben. Davon geht die Welt unter.“
Und als sie von dem Gespräch mit Enkel Mats-Kevin erzählt, und sie ihm erklärt, dass „Gott unter uns“ weilt, wenn Mustafa aus Syrien mit anderen Kindern in der Schule Fußball spielen kann, und sie mit Marie-Chantalle, Mehmet und Opa Püschel nach dem gemeinsamen Fußballspiel bei Alibaba „Döner und Fall-Apfel“ isst, dann bezieht sie Stellung für eine offene Gesellschaft.
Mit ihrem Ruhrgebietsdialekt („Hömma“, „Ich sach dat mal ährlich“), in den sie ihre kleinen Geschichten aus ihrer Dortmunder Pfarrgemeinde und ihrer katholischen Frauengemeinschaft (kfd) kleidete, wirkte Ulrike Böhmer authentisch. Ihre Schlagfertigkeit und ihr Humor, verbunden mit ihrer klaren Haltung zu christlichen Themen, kam beim Publikum so an, dass sie mit Standing Ovations am Ende ihres zweistündigen Programms verabschiedet wurde.
