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NWZonline.de Nachrichten Kultur

OPERNPREMIERE: Lauschen mit zwei Riesenohren

02.06.2008

OLDENBURG Das Thema ist zeitlos: die Verletzung und die Erniedrigung einer Frau. Zeitlos ist auch die Frage, warum die Selbstbehauptung des einen (hier des Mannes) stets noch die Unterwerfung des anderen (hier der Frau) benötigt.

Benjamin Britten, der Komponist der Oper „The Rape of Lucretia“, und sein Librettist R. F. H. Duncan erzählen die Geschichte dieser Lucretia, deren Treue und Keuschheit ein Fremder auf die Probe stellt und, Verführungsmacht demonstrierend, diese Frau vergewaltigt, die sich nach ihrem Geständnis gegenüber dem Ehemann aus Scham und verletzter Ehre ersticht.

Britten hat seine Kammeroper, die in der römischen Antike spielt und das Schreckensbild fremder Herrschaft beschwört, unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Er setzt sein Werk in den Kontext von Krieg und Politik, setzt zwei Solisten anstelle des antiken Chors ein, die das Geschehen erzählend und wertend, eingreifend und objektivierend begleiten, mit einem christologisch-moralisierenden Kommentar Positionen des Komponisten markieren.

Die Oper liefert ein Psychogramm, das Fragen nach Ursachen stellt, beim Vernichter Tarquinius und eifersüchtig-machtgeilen Junius Verhaltensmotive erschließt, das Lucretia mit ihren Träumen aus aller schemenhaften Skizzierung einer bloßen Ikone weiblicher Tugend herauslöst.

Hier setzt David Hermanns Regie an: eine plausible, spannende Wiedergabe des Werks. Hermann, auf Überzeitlichkeit setzend, spielt Mittel der Stilisierung und des harten Opern-Verismus, der pychologischen Differenzierung und des symbolischen, auf Zustandsbeschreibung wie auf Dramatik zielenden Bildes eindrucksvoll aus.

Einprägsam, wie Lucretia und ihre Dienerinnen wie Gefangene an weißen Stoffbahnen hängen, ihre Verhüllung zudem in weiße Cocons. Einprägsam Lucretias wühlende Suche nach Erde, die sie Tarquinius, dem Zerstörer einer Idylle, entgegenwirft. Einprägsam auch das Bild von Junius’ fallendem Kronenring, Symbol für niemals erreichbare Macht. Und schließlich: zwei Logen „verkleidende“ Riesenohren, Kommunikations-Symbole, aus denen zwei „Chorsänger“ singen und mimen.

Doch das gehört schon zum Bühenbild, das Alexander Polzin a-historisch und knapp, mit einer bis ins Parkett ragenden „Brücke“ als Hauptspielort wirkungssicher gestaltete. Katrin Buschings Kostüme zielen auf Gegenwart, manches bedeutungsvoll unterstreichend.

Katerina Hebelkova (Lucretia) weckte die tragische Kompliziertheit und Suggestivkraft ihrer Partie zu ergreifender, in expressiven wie in den fein abgestuften zarteren Tönen gleich intensiver Wirkung. Großartig ausdrucksstark die vier Männer: James Bobby (Tarquinius), Paul Brady (Junius), Henry Kiichli (Collatinus), Thorsten Scharnke („Chorsänger“), lauschender Kommentator „am Ohr“ des Geschehens. Nicht minder intensiv sein Pendant: Marcia Parks. Die Dienerinnen waren mit Nathalie Senf und Mareke Freudenberg ausgezeichnet besetzt.

Olaf Storbeck am Pult hat die stilistisch changierende Partitur mit Umsicht, Sinn für Durchsichtigkeit und Effekte lebendig und differenziert zum Klingen gebracht.

Karten: 0441/22 25 111

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www.NWZonline.de/theater

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