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NWZonline.de Nachrichten Kultur

THEATER: Lauter weiße Türen weisen nirgends einen Ausweg

28.04.2008

WILHELMSHAVEN Hexen, Islamisten, Juden: Mit Sündenböcken ließ sich zu aller Zeit von Fehlern einer vermeintlichen Mehrheit ablenken. Insofern ist „Andorra“ heute noch aktuell, Max Frischs akademische Abrechnung mit der Täter-Generation aus dem Jahr 1961. Der Skandal von damals ist heute natürlich keiner mehr. Doch angesichts einer professionalisierten Gedenk-Kultur vermag gerade das abstrakte Experiment noch aufzurütteln.

Eva Lange hat das analytische Drama für die Landesbühne Nord in eben dieser Absicht zeitlos-metaphorisch inszeniert. Dafür ernteten sie und das hervorragende Ensemble im Stadttheater Wilhelmshaven verdienten Premierenapplaus.

Langes Regiearbeit ist nüchtern, streng textorientiert, ohne große Überraschungen. Auf der leeren Bühne lässt sie ein Ensemble weißer Türen wie in einer Fata Morgana lautlos umhergleiten (Ausstattung Diana Pähler). Mal weisen sie nach innen, mal nach außen – und weisen dem Protagonisten Andri dennoch keinen Ausweg. Axel Julius Fündeling spielt diesen Entwurzelten mit Bravour. Er klagt an, er weint, er hohnlacht ob der hilflosen Versuche seiner Mitmenschen, ihm stets die tagesaktuell opportune Identität zu verschaffen.

Sein feiger, dem Suff verfallener Vater (Thomas Hary), der salbungsvolle Pater (Christoph Angerer), die liebevolle und doch schweigende Pflegemutter (Heike Clauss), die unehrliche leibliche Mutter (Katrin Rehberg), selbst seine Geliebte, die sich als Schwester erweist (Kathrin Hilti), sie alle können nicht aus ihrer Rolle fallen und der absehbaren Katastrophe entgegentreten. Mit verletzten Eitelkeiten, Vorurteilen und der Kraft der Gerüchte betreiben die übrigen Figuren das Kesseltreiben.

Warum die starken Szenenabgänge mit einer lauten Instumental-Version von Melissa Etheridges „God Is In The People“ wie Akte einer Seifenoper akzentuiert werden, bleibt allerdings rätselhaft. Gelungen sind dagegen die Videobilder der nachträglichen Unschuldsbekundungen als Reminiszenzen an die Fernsehverhöre eines Guido Knopp. Indem er Ausgrenzung und die Macht durch Angst auf ihre Grundprinzipien reduzierte, bot Max Frisch einen besseren Weg zur Vergangenheitsbewältigung an. Der geht bei der Wilhelmshavener Inszenierung unter die Haut und ist für den endenden Demokratie-Zyklus der Landesbühne ein würdiger Abschluss.

Karten: 04421/94 01 15

Alle NWZ-Theaterkritiken unter www.NWZonline.de/theater

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