Jever - Auf den ersten Blick sind es ganz normale Porträts von Kindern. Doch die Bildnisse, die die Essener Malerin Michaela Classen für ihren Zyklus „Reise nach Jerusalem“ malt, zeigen Kinder, denen „die Zeit keinen Platz zum Leben gegeben hat“, sagt Kunsthistorikerin Anja Marrack.

Sie führte am Sonntag in den Bilder-Zyklus, der nun im Gröschler-Haus Jever zu sehen ist, ein. Classen hat einigen der mehr als 11 000 Kinder, die die Nazis aus Frankreich verschleppt und ermordet haben, wieder ein Gesicht und eine Persönlichkeit gegeben. „Doch das Leben der Kinder bleibt außen vor“, erklärte Marrack, dass die Kinder-Bildnisse ohne Hintergrund freigestellt dargestellt sind.

Die Künstlerin habe den direkten Blick der Kinder eingefangen – als Verweis auf das Unvorstellbare. „Fühlen Sie sich unwohl, beobachtet, konfrontiert?“, fragte Marrack die Ausstellungsbesucher.

Hartmut Peters vom Gröschler-Haus bezeichnete die neue Ausstellung als „besonderes und einmaliges künstlerisches Gedenken einiger der 100 000 Kinder, die der Shoah zum Opfer gefallen sind“. Mit dem Bilder-Zyklus erweitere das Gröschler-Haus seine Aktivitäten um eine künstlerisch-emotionale Farbe.