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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Tv-Tipp „terror ­- ihr Urteil“: Leben gegen Leben?

15.10.2016

Frankfurt Am Main Ein Selbstmordkommando hat ein voll besetztes Passagierflugzeug unter seine Kontrolle gebracht und droht, den Airbus ins Münchner Fußballstadion stürzen zu lassen. Dort findet gerade ein Spiel statt. Eine Alarmrotte mit zwei Kampfjets der Bundeswehr versucht das Flugzeug abzudrängen, doch ohne Erfolg. An der Stadtgrenze entscheidet sich der Pilot des einen Jets, die Maschine abzuschießen.

Alle Insassen sterben, 70.000 Stadionbesucher werden gerettet. Der Pilot wird anschließend festgenommen und wegen Mordes angeklagt. Er habe sich - entgegen einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts - eigenmächtig zum Herren über Leben und Tod gemacht. Ein Leben könne niemals gegen ein anderes aufgewogen werden.

Der aufwendig gestaltete Spielfilm „Terror - Ihr Urteil“ präsentiert den Prozess vor einem fiktiven Berliner Schwurgericht als großangelegtes TV-Event am Montag (17. Oktober) um 20.15 Uhr in der ARD. Die Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden in dem Gerichtsdrama nach dem gleichnamigen Theaterstück von Ferdinand von Schirach als Schöffen einbezogen und können miturteilen. Schuldig oder nicht schuldig - darf man Leben gegen Leben aufwiegen? lautet die Frage. In der um 21.40 Uhr folgenden „Hart aber fair“-Talkrunde fordert Moderator Frank Plasberg zur Abstimmung auf und diskutiert den Fall mit seinen Gästen.

Der Film spielt fast ausschließlich im Gerichtssaal. Angeklagt ist der Bundeswehrpilot Lars Koch (Florian David Fitz), der ohne ausdrücklichen Befehl seiner Vorgesetzten eine Rakete auf das zivile Flugzeug abgefeuert hatte. Einziger Zeuge ist Kochs Vorgesetzter, Bundeswehr-Offizier Lauterbach (Rainer Bock), der im entscheidenden Zeitabschnitt mit ihm kommunizierte. Der Prozess unter der Leitung des Vorsitzenden Richters (Burghart Klaußner) ist streng formal gestaltet. Nichts lenkt von dem Entsetzen ab, das sich mehr und mehr in den Gesichtern der Zuschauer im Gerichtssaal abzeichnet.

Die Inszenierung des preisgekrönten Regisseurs Lars Kraume („Der Staat gegen Fritz Bauer“, „Familienfest“) konzentriert sich auf die Befragung weniger Personen, dem vorgesetzten Offizier, dem Angeklagten selbst und der Nebenklägerin (Jördis Triebel), deren Mann im Flugzeug umkam. Nach der Faktenaufnahme halten Staatsanwältin Nelson (Martina Gedeck) und Verteidiger Biegler (Lars Eidinger) emotional aufwühlende Plädoyers. Die Intensität im Gerichtssaal ist fast mit Händen zu greifen und benötigt keine Unterstützung durch eingefügte Horrorszenarien vom Absturz der Maschine oder von verzweifelten Angehörigen in der Halle mit den aufgefundenen Sachen der Toten.

Kraume verlässt sich allein auf die Dramaturgie des ebenfalls preisgekrönten Autors und Strafverteidigers Ferdinand von Schirach, der bereits in der ZDF-Reihen „Schuld“ und „Verbrechen“ ungewöhnliche Gerichtsfälle aus der Grauzone zwischen Recht und Gerechtigkeit beschrieben hatte. In „Terror“ bindet er die Zuschauer ausdrücklich mit ein und fordert sie auf, über nur zwei Möglichkeiten zu urteilen, nämlich schuldig oder unschuldig. Eine dritte Möglichkeit, die Räumung des Stadions, für die noch Zeit gewesen wäre, ist im Film ebenfalls angelegt, wird aber nicht weiter ausgeführt.

Die Hauptkontrahenten der fiktiven Gerichtsverhandlung sind Offizier Lauterbach aus dem nationalen Lagezentrum für Sicherheit im Luftraum der Bundeswehr und die engagierte Staatsanwältin Nelson. Aus der Zeugenaussage Lauterbachs wird deutlich, dass er sich von vornherein für den Abschuss entschieden hatte. Er wusste, gibt er schließlich auf die eindringlichen Fragen der Staatsanwältin zu, dass ein ebenso idealistischer wie entscheidungsfähiger Pilot wie Koch auch ohne seinen ausdrücklichen Befehl schießen würde.

Für die Zuschauer vor den Fernseher bietet der hochspannende und differenziert gestaltete Film viel Stoff zum Nachdenken. Wofür würde man sich selbst entscheiden? Frank Plasberg jedenfalls will noch bis zum Sendetermin überlegen, ob er dann verrät, wofür er gestimmt hat.

Das Film-Experiment lief am 14. Oktober bereits in einigen Kinos.

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