LEHMDEN - Die Antwort auf die Frage, was er denn im Ruhestand am meisten vermissen werde, fällt Pastor Bernhard Appelstiel nicht leicht. Natürlich sind es die Menschen, die er in mehr als drei Jahrzehnten kennen und schätzen gelernt hat. Und es ist der Friedhof, der berühmt ist für seine Steinmetz-Kultur und seine gärtnerische Pflege. Und es ist das überschaubare Gemeindezentrum mit St.-Johannes-Kirche, Gemeindehaus und dem benachbarten Kindergarten des Diakonischen Werkes. Die Lust an der Ausübung des Berufes bleibt, die Last dagegen, das ständige Muss, die Bereitschaft nahezu rund um die Uhr, hat der Pfarrer vorzeitig abgelegt. Mit 63 Jahren wechselt er in den Ruhestand. Sein Domizil hat er schon nach Varel verlegt, damit das Gemeindehaus renoviert werden konnte. Jetzt hat er noch Urlaub, bevor am 30. April offiziell die Amtszeit endet. Die Verabschiedung findet an diesem Sonnabend, 18. April, um 15 Uhr in der St. Johannes-Kirche statt.
Die war dem Sohn des Pfarrers aus dem jeverländischen St. Joost („Ein winziges Dorf – Kirche, Schule, Pfarrhaus und ein Bauernhaus“) mehr als 33 Jahre lang Heimat. Pfarrer zu werden, war schon immer sein Wunsch. Nach einem „Zickzackkurs in der Schullaufbahn“ bestand er das Abitur auf dem Inselgymnasium in Wangerooge, wo er sich auch das Orgelspiel beibrachte: „Was soll man sonst im Winter auf der Insel machen?“ Dem theologischen Studium in Heidelberg und Göttingen folgte in Oldenburg das 1. Examen. In Zetel war er Schulvikar, übrigens bei Gabriele Jetzki, der Frau des kürzlich pensionierten Vareler Pfarrers Eckhard Jetzki. In Obenstrohe setzte er das Vikariat bei Pastor Joachim Jürgens fort – der später auch Pfarrer in Rastede war.
Am 1. Oktober 1975 wurde Bernhard Appelstiel vom Oberkirchenrat auf die Pfarrstelle in Lehmden berufen; gewählt wurde damals nicht, „und gefragt worden bin ich eigentlich auch nicht“. Aber „bereut habe ich weder die Berufswahl noch den Schritt nach Lehmden – im Gegenteil“, so der scheidende Pfarrer. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist wurde er am 18. April 1976 als Pfarrer eingeführt – und auf den Tag genau 33 Jahre später erfolgt nun die Verabschiedung.
Die Lücke, die er seinem Nachfolger Christoph Müller hinterlässt, wird nicht leicht zu füllen sein. Neben der seelsorgerischen Arbeit bildete die Kirchenmusik einen Schwerpunkt. Viele Jahre lang hat er Konzerte organisiert, Künstlernamen wie Agnes Giebel, Bob van Asperen, Ludwig Güttler, Hans-Reinhard Aukschun, Ivan Sokol oder Ludwig Kircheis finden sich im Gästebuch.
Den Posaunenchor hat er geleitet, Trompete gespielt – und Orgel; für die „Königin der Instrumente“ will er nun mehr Zeit haben – und natürlich für seine Frau Edith, die nun ebenso verabschiedet wird, nachdem sie sich 33 Jahre lang an verschiedensten Stellen im kirchlichen Bereich engagiert hat, vom Frauenkreis bis zu unzähligen Gesprächen, die sie als „Pfarrersfrau“ geführt hat.
Unvergessen sind schließlich die Reisen, die Bernhard Appelstiel für die Kirchengemeinde gebucht hat – sie führten die Gruppen nach Norwegen, Schweden und schließlich nach Syrien, Jordanien oder Rom.
