Berlin - Knapp vier Jahre ist es her, als im Zieleinlauf des Boston-Marathons zwei Sprengsätze explodierten und drei Menschen getötet wurden, darunter ein achtjähriger Junge. 260 Menschen wurden zudem verletzt. Wie man Zeitgeschichte würdevoll mit Spannung, Action und ein wenig Pathos kombiniert, das hat Peter Berg zuletzt in seinem Ölplattform-Drama „Deepwater Horizon“ gezeigt. In „Boston“ hat der Action-Regisseur die tagelange Jagd auf die beiden Bombenleger akribisch rekonstruiert.

Mark Wahlberg ist erneut der Hauptdarsteller. Der Hollywood-Star, der einen eigensinnigen Cop spielt, ist ein lädierter Held. Nachdem er sich bei der Verbrecher-Jagd am Knie verletzt hat, humpelt er durch den ganzen Film.

Obwohl „Boston“ mit Kevin Bacon (FBI-Agent), John Goodman (Polizeichef) und J.K. Simmons (Police Sergeant) prominent besetzt ist, nimmt sich doch jeder der starken Charakterschauspielern zurück. Keiner drängt sich in den Vordergrund. Will man Erfolg haben, dann sind Team-Geist, Gemeinschaft und Zusammenhalt gefragt. Hand in Hand – nur so geht’s. Die Botschaft dürfte in den USA, einem momentan zutiefst gespaltenen Land, durchaus ankommen.

Eingesetztes Archivmaterial und dokumentarisch anmutende Szene verleihen dem Spielfilm zuweilen ein hohes Maß an Authentizität, auch wenn es Berg bei den Action-Szenen etwas übertreibt und in seiner Drastik übers Ziel hinausschießt. Gerade gegen Ende geht seinem ansonsten aber stimmigen Film, der nicht zuletzt den Einwohnern von Boston ein würdiges Denkmal setzt, ein wenig die Luft aus.