Berlin - Wenn es einen leidenschaftlichen Germanisten gab, der es verstand, Bildungswissen gleichermaßen lehrreich, verständlich und sogar unterhaltsam „unters Volk“ zu bringen, dann war es Peter Wapnewski. Seine Hörbücher zum Nibelungenlied und zu Richard Wagner wurden Bestseller, seine mehrteiligen Radiosendungen dazu populär. Der Altgermanist und Gründungsrektor des Wissenschaftskollegs in Berlin ist am Freitag im Alter von 90 Jahren in Berlin gestorben, teilte dessen Sprecherin am Sonntag mit.

Wapnewski galt als einer der angesehensten und bekanntesten Vertreter der Literaturwissenschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, andere nannten ihn einen der prägendsten Intellektuellen der Bundesrepublik. Er genoss auch international hohe Anerkennung als Experte für die deutsche Literatur des Mittelalters und die Werke Richard Wagners.

Viel Anerkennung fand Wap­newski auch als Gründungsrektor des renommierten Wissenschaftskollegs in Berlin, das er von 1981 bis 1986 leitete und zu einer der bedeutendsten Einrichtungen seiner Art in der Welt machte. Es gibt nach dem Vorbild des amerikanischen „Institute for Advanced Studies“ in Princeton in- und ausländischen Gelehrten jeweils für ein Jahr die Chance, sich abseits des Universitätsbetriebes auf ein Forschungsvorhaben zu konzentrieren.

Der am 7. September 1922 in Kiel geborene Sohn eines Seeoffiziers hatte einen Philologie-Lehrstuhl an der Technischen Universität in Berlin (TU) und war zuvor ordentlicher Professor an der Uni Heidelberg. Als einer der Vizepräsidenten des Goethe-Instituts nahm er die Institution gegen konservative Angriffe in Schutz. Wapnewski war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Akademie der Künste in Berlin und erhielt unter anderem den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.