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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Siebenköpfiges Team gräbt sich durch 350 Titel

15.02.2019

Leipzig Resi hat ein Problem: Der Schriftstellerin, ihrem Künstler-Ehemann und den vier Kindern wurde die günstige Altbauwohnung in Berlin gekündigt, und jetzt muss sie sehen, wie es weitergeht. Resi ist die Hauptfigur in Anke Stellings Roman „Schäfchen im Trockenen“, der es auf die Liste für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse (21. bis 24. März) geschafft hat. Auch das nominierte Buch „Der traurige Gast“ von Matthias Nawrat spielt in Berlin, und Jaroslaw Rudis’ „Winterbergs letzte Reise“ startet dort.

Damit spielt die Hauptstadt auf der Liste eine Hauptrolle. Ebenso wie Babylon. Um den Leiter der Ausgrabungen, Robert Koldewey, dreht sich der Debütroman „Babel“ von Kenah Cusanit. Komplettiert wird die Auswahl von Feridun Zaimoglu, der sich in „Die Geschichte der Frau“ anhand von zehn Protagonistinnen durch die Weltgeschichte hangelt – und dem Geschehen eine neue Perspektive gibt.

„Das sind alles herausragende Bücher“, sagt Jens Bisky. Der Literaturkritiker ist seit diesem Jahr Jury-Chef für den Preis. Wochenlang grub sich das siebenköpfige Team durch mehr als 350 eingereichte Titel. Der größere Teil ging für die Kategorie Belletristik ein.

Auch das beste Sachbuch und die beste Übersetzung des Jahres werden am 21. März bei der Preisverleihung in der Glashalle der Leipziger Messe ausgezeichnet. Insgesamt finden sich 15 Kandidaten auf den Listen. 1000 Euro hat jeder von ihnen schon sicher. Jeder Sieger bekommt noch einmal 15 000 Euro dazu.

Der Preis sorgt für eine größere Nachfrage bei den Kunden, sagt Maria Christina Piwowarski. Sie ist Buchhändlerin bei „Ocelot“ in Berlin-Mitte. Das sei zwar nicht so spürbar wie beim großen Pendant, dem Deutschen Buchpreis, der jeden Herbst in Frankfurt vergeben wird. Doch nach der Preisverleihung seien die Preisträger gefragt.

Auch vor diesem Hintergrund sei es schade, dass unabhängige Verlage deutlich unterrepräsentiert seien, sagt Piwowarski. Rowohlt habe allein mit drei Nennungen ebenso viele Nominierungen eingeheimst wie die Unabhängigen zusammen. Frauen seien abseits der Kategorie Übersetzung ebenfalls unterrepräsentiert. „Das ist eine würdige Liste, aber nicht so ausgewogen, wie ich sie mir gewünscht hätte.“

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