Lemwerder/Berne - Ein goldener Umhang über ein silbernes Untergewand? Das geht gar nicht, auch wenn der brokatähnliche Stoff noch so hübsch schimmert. Viel besser passt dazu ein roter Umhang mit Sternchen, weist eine der Betreuerinnen schmunzelnd einen männlichen Kollegen zurecht. Einen Tisch weiter wird fröhlich diskutiert, welche Kopfbedeckung am besten passt: Krone oder doch lieber ein Turban? Die riesige Auswahl der Kleidungsstücke in allen möglichen Farben und Größen, die auf den Tischen im katholischen Gemeindesaal ausgebreitet ist, macht es den Sternsingern nicht leicht. Aber die Betreuer der Heilig-Geist-Gemeinde sind seit Jahren ein eingespieltes Team und wissen genau, was Caspar, Melchior, Balthasar am besten steht.
Das Einkleiden bildet den krönenden Abschluss des Vorbereitungstreffens der Sternsinger, das ökumenisch ist. Einen ganzen Tag lang werden die Jungen und Mädchen mit Film, Spielen und dem Erlernen der Liedtexte mit dem jeweiligen Kinderhilfsprojekt vertraut gemacht. Schließlich müssen sie, wenn sie an den Haustüren klingeln, erklären können, worum es geht.
In dem Film, den die 26 Sternsinger dazu anschauen, geht es dieses Mal um Kinderarbeit in Indien. Anstatt Schule, Kindergarten oder spielen müssen 60 Millionen Kinder in dem asiatischen Land von den frühen Morgenstunden bis in den späten Abend ihren Beitrag zum Überleben ihrer Familien leisten. Das Kastensystem, das trotz seiner offiziellen Abschaffung 1950 weiterhin allgegenwärtig ist, verhindert es, der Armut zu entkommen.
Als Kind sei er selber Sternsinger gewesen. Heute mache ihm die Arbeit mit Kindern Spaß, sagt Ulrich Schweitzer. Durch die Seefahrt kennt der Betreuer die Lebensverhältnisse in vielen Ländern. Mit dem Geld, das die Sternsinger rund um den Tag der Heiligen Drei Könige zusammentragen, lassen sich auch größere Projekte langfristig fördern. Zu 100 Prozent kommt der Erlös an. D ass die Summe, die im Süden der Wesermarsch beim Sternsingen zusammenkommt, sich jedes Jahr erneut steigert, überrascht Roland Drews immer wieder. Der Betreuer ist ebenfalls seit seiner Kindheit dabei. Seine Mutter hat die meisten der Kostüme geschneidert.
Dem neunjährigen Mario macht es Spaß, anderen Kindern zu helfen. Er ist zum zweiten Mal dabei und als Balthasar unterwegs. Für seine Schwester Laura ist es bereits das achte Sternsingen. Neben der Hilfe für Kinder macht es der Schülerin besonders viel Spaß, dass sich die Besuchten über ihre Musik freuen.
Mit 24 anderen Jungen und Mädchen werden Mario und Laura am Freitag, 5. Januar, und Samstag, 6. Januar, zwischen 9 und 16.30 Uhr unterwegs sein, um den Segen für das neue Jahr zu bringen. Rund 220 Adressen in Berne und Lemwerder stehen derzeit auf der Liste, zu denen die Sternsinger in sechs Gruppen ausschwärmen werden.
Wer noch einen Besuch wünscht, sollte sich schnell im Pfarrbüro unter
