LEMWERDER - Eigentlich könnten die Katholiken in Lemwerder gleich drei Jubiläen feiern: Am 16. März 1958 wurden die Glocken im Turm der Heilig-Geist-Kirche geweiht, eine Woche später die Kirche selbst und am 14. Dezember desselben Jahres die Orgel. Seit 50 Jahren hat die Gemeinde also einen repräsentativen Kirchenbau, der für Lemwerder Ortsbild prägend ist. Die Geschichte des Katholizismus im protestantisch geprägten Stedingen ist älter, wenn auch nicht viel älter: Die Pfarrgemeinde Heilig Geist war 1945 gegründet worden.
Ein Komitee, bestehend aus Pfarrsekretärin und Gemeinderatsmitglied Hedwig Woker, Pfarrer Norbert Steffen und den Pfarrgemeinderatsmitgliedern Ulrich Schweitzer, Werner Kestermich, Erhard Laabs sowie Provisor Werner Paul (die drei Letztgenannten sind auch Mitglieder im Kirchenausschuss) bereitet zurzeit die Jubiläumsfeiern vor, die im Sommer stattfinden sollen. Geplant ist eine Feierstunde mit geladenen Gästen am Freitag, 4. Juli, im Gemeindesaal; Gemeindemitglieder sind selbstverständlich auch eingeladen und ein feierliches Hochamt am Sonntag, 6. Juli, um 10.30 Uhr.
Zum Hochamt (Heilige Messe an Sonn- oder Feiertagen) wird auch Dechant Hubert von der Heide erwartet. Der Dechant führt im Auftrag des Bischofs die Aufsicht über das aus mehreren Pfarreien bestehende Dekanat. Für den musikalischen Rahmen sorgen der Chor Courage und der Chor Crescendo, beide aus der Nachbargemeinde Berne.
Die katholische Kirchengemeinde Heilig Geist ist eine Nachkriegsgründung. Zuvor gab es in Lemwerder nur eine Seelsorgestelle der Delmenhorster Pfarrgemeinde „St. Marien“. Der Zahnarzt C.H. Rogmans kam 1930 nach Lemwerder. „Ich war der einzige Katholik“, erinnert sich der Pionier in einer 1955 erschienenen Abhandlung. Damals musste er sonntags mit der Fähre auf die andere Weserseite, um in Grohn am Gottesdienst teilzunehmen. Rogmans berichtet auch von „beruflichen Schwierigkeiten“, die er als einziger bekennender Katholik des Dorfes bekam.
Verstärkung kam durch den erheblichen Personalbedarf des Rüstungswerks „Weserflug“. Rund 700 Katholiken zogen nach Angaben von Rogmans nach Stedingen. Nach dem Krieg stieg die Zahl der katholischen Christen durch Zuzug von Flüchtlingen erneut. Die US-Militärregierung übergab der Gemeinde das ehemalige Heim der Hitlerjugend, das in Eigenleistung zum Pfarrzentrum umgebaut wurde. Katholiken wurden im kulturellen, aber auch im sportlichen Leben Lemwerders zu einer festen Größe: 1955 gründeten sportbegeisterte junge Leute die „Wasserwanderer“ unter dem Dach der katholisch orientierten Deutschen Jugend Kraft (DJK).
Es fiel den Gläubigen nicht leicht, sich von dem alten Pfarrzentrum, das auf dem Gelände des heutigen Parkplatzes an der Kirche stand, zu trennen. Das Haus war vom Holzbock befallen, eine Sanierung galt als sehr teuer. Außerdem ging man davon aus, dass die Zahl der Gemeindemitglieder weiter wachsen würde. So kam es zum Bau der Heilig-Geist-Kirche, der von der Diözese Münster stark gefördert wurde. Der erste Spatenstich erfolgte am 10. Juni 1956 und wurde mit einem Hochamt gefeiert.
