LEMWERDER - Wenn Hans-Nikolaus Schümann seine Schätze aus dem feuerfesten Schrank holt, tut er das nur mit weißen Baumwollhandschuhen.

„Hier haben wir die Chronik über die Amtstätigkeiten der Kirch-Juraten im Jahr 1633“, sagt er, und legt einen verwitterten Einband auf den Tisch. „Oder hier, das Armenrechnungsbuch von 1786. Dort sind alle wohltätigen Ausgaben verzeichnet.“ Die alten Bücher sind für Schümann ein Kulturgut, das auch heute noch von Belang ist.

Seit drei Jahren arbeitet der 70-Jährige im Gemeindehaus in Lemwerder. „Bücher waren schon immer meine Leidenschaft“, erzählt der pensionierte Kapitän. „Das ist wohl angeboren.“ Seine Hauptarbeit im Archiv besteht darin, die alten Bücher abzuschreiben. Drei Stück hat er schon geschafft. „Dann können Familienforscher oder interessierte Bürger die Daten einsehen, ohne das Buch zu strapazieren.“ Oft kann er die alten Schriften jedoch nicht entziffern. Dann fotografiert er die Seiten vorsichtig ab. „Jeder Pastor hatte eine andere Schrift. Und so manche Sauklaue ist darunter. In den Chroniken kann man die Wechsel deutlich verfolgen“, sagt Schümann. „Einen Teil der Chroniken würde ich eigentlich gern in Buchform veröffentlichen, aber ich weiß nicht, ob daraus noch was wird. Da wäre ich dann wohl weniger zu Hause, als zu meinen Kapitänszeiten.“ Zeitintensiv ist das Hobby des Kapitäns auf jeden Fall. Jeder alte Band muss mit Sorgfalt gehandhabt werden. „Manche der Bücher sind durch jahrelange

falsche Lagerung stark beschädigt“, erzählt Schümann, und weist auf braune Stellen und zerfledderte Ränder. 35 dieser Bücher sollen nun restauriert werden. „Damit sie für die Nachwelt erhalten bleiben“, so Schümann. „Zum Beispiel hier, das Altenescher Stuhlregister. Da steht genau geschrieben, wer in der Kirche einen Stuhl gemietet hatte. Aus diesem Geld bezog der Pastor sein Gehalt.“

Wenn die Bücher von der Restaurierung zurück sind, werden sie vielleicht in Schaukästen den Bürgern gezeigt. Bis dahin ruhen sie im Dornröschenschlaf in ihrem Schrank.