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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Lesen kann Ohren öffnen

04.11.2015

Oldenburg Lilo Lausch ist so eine filigrane Figur. Ein kleiner Elefant, der sich auf der Kibum, der Kinderbuchmesse in Oldenburg präsentiert. Lilo Lausch läuft leise. Damit sie besser hört: Lieder vom Fühlen, vom Horchen, vom Aufmerksamsein. Davon präsentiert sie im Kulturzentrum PFL ein ganzes Buch.

Axel Brüggemann (44) ist so eine schillernde Person. Ein Publizist, ein Kolumnist, ein Musikjournalist. Ein Mensch, der aus dem innersten Herzen heraus viel über Lieder und Musik sagen kann. Am liebsten Kindern, was er hoch engagiert auf der Kibum zwischen dem 7. und 17. November tun wird. Brüggemann tritt da als Gegenentwurf zu Lilo Lausch auf. Laut intoniert er einen Cantus Firmus. Knarzend setzt er den Generalbass darunter.

Es gibt einige Gründe, für die Musik eine mächtige Stimme zu erheben. Etwa: „Musik fällt in der Schule viel zu oft aus“, merkt Brüggemann an. „Mathematik oder Deutsch werden als wichtiger erachtet. Was für eine Fehleinschätzung!“ Der berühmte Sänger Thomas Quasthoff teilt diese Erfahrung. Zur Einschulung seiner Tochter in Berlin stellte er fest: „Die Kultusbehörde hielt das Fach Musik offenbar für entbehrlich.“

„Für unser Bildungssystem ist das unverantwortlich“, schimpft Brüggemann. Im Zeitalter der Nutzungs-Optimierung zähle heute die baldige Verwertung für Wirtschaft und Gesellschaft, auch bei den Schulfächern. Dass Musik persönliche Entwicklungen für ein ganzes Leben anstoßen kann, fällt da nicht schnell genug auf.

Wenn Kinder über Musik lesen, so stellt es sich Brüggemann vor, müssen sie schon die Musik klingen hören. Das Motto 2015, „Kibum klingt“, stachelt den Autor an. „Lesen kann Ohren öffnen“, weiß er. Bei allen Wandlungen und gesteigerten Vielfalt der Kommunikation bleibt für ihn ein Grundprinzip bestehen: „Spannende Geschichten funktionieren heute noch wie eh und je!“ Zeitgerecht müssen sie eben erzählt werden.

Beispiel Mozart: „Da erscheinen Perücke und Anekdoten nur vordergründig lustig. Doch um seine eigene Musik machen zu können, musste er provozieren. Die Adligen haben dann die abonnierten Noten abbestellt. Damit war er asozial und pleite, wie man heute sagt. Aber er war ein Kerl, ein eigener freier Künstler. Solche Vorbilder geben zu jeder Zeit große Geschichten her!“

Zum Pessimisten taugt Brüggemann nicht. „Kinder finden in den Medien so leicht wie nie zuvor Zugang zu Musik“, sagt er. Musik bilde immer den Soundtrack der jeweiligen Zeit ab: „Wenn Beethoven für revolutionäres Aufrühren stand, dann steht heute dafür eben der Rap.“ Die Linie führe vom Urschrei über Minnesang oder Mozart bis zu Madonna.

Dass junge Leute sich nur berieseln ließen, sich für aktive Teilnahme an Musik jedoch selbst den Ton abdrehten, wird zunehmend als Vorurteil entlarvt. Kindern klassische Konzerte anzubieten, sie selbst an der Gestaltung zu beteiligen – „das ist ein Zauber, der nur live zu spüren ist“, so Brüggemann. „Ein starker Trend.“ Ob er sogar bis in Kultusministerien vordringen könnte?

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