Varel - Kaum einer weiß, dass Hildegard Behrens ihre letzte Ruhestätte auf dem Vareler Friedhof gefunden hat. Auf der Grabplatte steht auch der Name ihres schon früher gestorbenen Bruders Otto, mit dem sie in ihrer Kindheit Bach-Kanons sang und mit dessen Einladung zum Freiburger Bach-Chor der Startschuss zu einer der großen Sängerinnen-Karrieren des 20. Jahrhunderts gefallen war.
Jetzt soll auch eine Tafel neben dem Geburtshaus in der Moltkestraße in Varel an sie erinnern. Der Heimatverein hatte einen entsprechenden Antrag an die Stadt gestellt, der dort auf offene Ohren stieß. Zum 9. Februar, ihrem 80. Geburtstag, soll die Tafel aufgestellt werden.
Auch wenn Hildegard Behrens als junge Frau „raus wollte aus Varel“, wie Hans Sauer, der sich intensiv mit ihrem Leben befasste, erfahren hat, so hat sie ihre Heimat immer wertgeschätzt.
In Gesprächen und Interviews ging sie regelmäßig mit freundlichen Worten auf ihre Herkunft ein. Dabei legte sie Wert auf Präzision: Als der Moderator in einer TV-Sendung sie im Februar 1984 als „Opernstar aus Oldenburg“ bezeichnete, widersprach ihm Hildegard Behrens vor einem Millionenpublikum heftig: „Nein, ich komme aus Varel, das ist eine kleine Stadt zwischen Wilhelmshaven und Oldenburg!“
Oscar, der Kolumnist des Gemeinnützigen, schrieb zwei Tage später „im Namen aller Vareler“: „Danke, Hildegard, danke. Varel ist stolz auf Dich!“
In Varel hat sie niemals ein öffentliches Konzert gegeben. Dabei hatte sie 1971, am Beginn ihrer Laufbahn, selbst ausdrücklich diesen Wunsch geäußert und sogar schon den Pianisten genannt, der sie am Klavier begleiten sollte: ihren Bruder Wilhelm. 20 Jahre später lud der Verein für Kunst und Wissenschaft die inzwischen weltberühmte Sängerin für einen Liederabend in der Schlosskirche ein. Zum Leidwesen ihrer zahlreichen Fans in Varel kam es nicht dazu.
Einmal bot sich die Gelegenheit, sie auch in der Region zu hören: 2004 jährte sich der Geburtstag der in ihrer Zeit ebenfalls berühmten Oldenburger Sopranistin Erna Schlüter (1904-1969) zum hundertsten Mal. Aus diesem Anlass fand im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters eine Gala-Matinée statt, bei der die 67-jährige Hildegard Behrens mit Liedern von Wagner und Strauss das Publikum begeisterte.
