Ganderkesee - Einfach ist es nicht für Manfred Meister, in das Flugzeug zu steigen. „Aber er bringt jetzt alle Kraft dafür auf“, freut sich Haik Westendorf, die ihren Patienten beobachtet „er will es unbedingt.“ Manfred Meister will noch einmal nach Helgoland.
Den Aufenthalt auf ihrer Lieblingsinsel hatten der 67-Jährige und seine Frau Brigitte schon im vergangenen Sommer gebucht. Seit 18 Jahren fahren sie immer wieder gerne auf die einzige deutsche Hochseeinsel. Doch nicht nur die Urlaubspläne, nein, alle weiteren gemeinsamen Pläne des Ehepaares aus Heide II wurden Ende Januar schlagartig zunichte gemacht durch eine fürchterliche Diagnose: Bei ihm wurde Speiseröhrenkrebs festgestellt, die Krankheit war weit fortgeschritten, fünf bis sechs Monate Lebenszeit sollten ihm noch bleiben.
Keine Chemotherapie
Meister, der sein ganzes Berufsleben im Dienst der Sparkasse Bremen verbrachte und 2008 als Vorstandsvorsitzender der Landesbausparkasse in den Ruhestand ging, nahm sein Schicksal an. „Eine Chemotherapie wollte er nicht“, sagt seine Frau, die Behörden und Ärzte „von Pontius bis Pilatus“ aufsuchte und bei Aufenthalten ihres Mannes im Krankenhaus keine guten Erfahrungen machte.
Erst als der Palliativstützpunkt in Ganderkesee sich ihrer annahm, fühlten sich Manfred und Brigitte Meister würdig und liebevoll aufgenommen. „Die Betreuung ist hervorragend“, das zu sagen, ist dem Schwerkranken ein Herzensanliegen. Dank der Koordinatorinnen Haik Westendorf und Veronika Selchert sowie der Palliativpflegerin Swenja Krusche kann Manfred Meister weiter in seinem Haus in Heide leben – „so lange es geht“, sagt seine Frau.
Aber dann war da noch der Helgoland-Urlaub: längst gebucht – mit dem Schiff indes nicht mehr möglich für den auf den Rollstuhl angewiesenen Manfred Meister. Und das Zimmer im ersten Stock eines Hotels ohne Fahrstuhl war auch keine Option mehr. „Jetzt wohnen wir ebenerdig“, freut sich Brigitte Meister. Und mit dem Flugzeug sind die beiden in 45 Minuten da.
Dass Manfred und Brigitte Meister am Mittwochmittag von Ganderkesee aus nach Helgoland fliegen konnten, hat die Infinitas-Kay-Stiftung (Hamburg) ermöglicht. Für deren Initiative „Ein letzter Wunsch“ hatte das Ganderkesee Palliativpflege-Team schon zweimal vorher Patienten angemeldet. „Diesmal hat’s geklappt“, sind die drei Mitarbeiterinnen sehr zufrieden. Die Stiftung hat den Flug finanziert und organisiert. Und sie hat Barbara Duis aus Oldenburg als ihre regionale Vertreterin nach Ganderkesee geschickt. Das ist gut so, denn als der Flieger sich um eine halbe Stunde verspätet, kann sie die notwendigen Informationen einholen und die Wartenden beruhigen: Es geht gleich los.
Familie kommt nach
Schließlich hat Pilot Börrie Horn vom Bremer Verein für Luftfahrt den Ganderkeseer Flugplatz aber doch erreicht, muss nur kurz auftanken, begrüßt dann herzlich seine beiden Passagiere und ist ihnen beim Einsteigen behilflich. Der Rollstuhl kommt nach hinten, Manfred Meister sitzt vorn neben dem Piloten. Er wird den Ausblick genießen.
Eine gute Viertelstunde nach der Landung hebt die kleine Maschine auch schon wieder ab. Die Frauen vom Palliativ-Stützpunkt und von der Stiftung winken noch einmal, ebenso die Schwiegertochter mit den beiden kleinen Enkelkindern. Sie und die beiden Söhne von Manfred und Brigitte Meister kommen mit dem Schiff nach. Ein letzter Wunsch geht in Erfüllung.
