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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Leuchtende Bilder in dunkler Zeit

08.10.2005

OLDENBURG Gezeigt werden Arbeiten aus der Zeit von 1940 bis 1947. Darunter sind viele, die noch nie zu sehen waren.

Von Jörg M. Henneberg OLDENBURG - Vielen Oldenburgern ist das Künstlerehepaar Veronika Caspar-Schröder und Karl Schröder unvergessen, auch wenn das kleine Atelierhaus mit seinem mediterranen Garten längst Vergangenheit ist. Die Künstlerin (1907–2001) vermachte ihren Nachlass und den ihres 1996 gestorbenen Mannes der Oldenburgischen Landschaft und legte testamentarisch fest, dass Ausstellungen an ihr Lebenswerk erinnern sollen.

Beide Nachlässe wurden der Stiftung Oldenburgischer Kulturbesitz übereignet. In Kooperation mit dem Bund Bildender Künstler und zum 60. Jahrestag des Kriegsendes werden Arbeiten aus der Zeit von 1940 bis 1947 vorgestellt.

Der Nationalsozialismus und die totalitäre Kunstpolitik des Unrechtsregimes war für beide schicksalshaft. Veronika Caspar, die 1932 nach Oldenburg kam, heiratete den Augenarzt Dr. Werner Stein, dessen Familie wegen ihrer jüdischen Vorfahren unter das Nürnberger Rassengesetz fiel. Karl Schröder, der 1907 im badischen Müllheim geboren wurde, erlebte diese Zeit in Stuttgart. Seine Freundin und deren Familie wurden in Auschwitz ermordet.

Das spätere Künstlerpaar kannte sich bereits aus Studienzeiten in Berlin und Paris. Als Karl Schröder 1945 zu seiner Studienkollegin nach Oldenburg kam, begann eine außergewöhnliche künstlerische Symbiose. Beide verehrten Cézanne und Matisse. Veronika Caspar, später Stein-Caspar und schließlich Caspar-Schröder, besuchte 1935 Max Beckmann, kurz bevor dieser ins Exil ging.

Die Ausstellung vereint noch nie gezeigte Arbeiten der beiden Künstler. Bei Veronika Caspar-Schröder liegt der Schwerpunkt in den Jahren 1940 bis 1945. Damals wollten die Nazis ihr Atelier schließen. Sie wich nach Ostfriesland und nach Dötlingen aus, wo kleinformatige Aquarelle entstanden, die sie ihre „ungemalten Bilder“ nannte.

Auf fast unheimliche Weise kontrastieren diese an Emil Nolde erinnernden Blätter mit dem Krieg. Als ihr Bruder in Finnland knapp 19-jährig fällt, malt sie am Folgetag ein Stillleben und vermerkt es auf der Rückseite. Es scheint so, als ob die Künstlerin einen Kontrapunkt gegen die Wirklichkeit setzen wollte. Ihre Kinderbildnissse aus dieser Zeit erinnern an die von den Nazis als entartet verfemte Paula Modersohn-Becker.

Von Karl Schröder haben sich nur wenige Arbeiten aus der Zeit vor 1945 erhalten. Von den frühen Arbeiten ist ein Porträt der Mutter seiner Freundin besonders erschütternd, auf dessen Rückseite er notierte: „Frau Kuhlmann in Auschwitz ermordet“. Die Aquarelle, die nach 1945 entstanden sind, zerlegen die Welt in Farben und Strukturen. Das Porträt führt er ad absurdum: Es sind keine Gesichter, die er zeichnet und malt, es sind Schatten.