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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Liebe ohne Rücksicht auf Verluste

23.05.2016

Bremen Das Bühnenbild besteht nur aus einer rechteckigen Plattform über dem Orchestergraben, einem Boxring nicht unähnlich. Die Bremer Philharmoniker haben ihren Platz im hinteren Teil der Bühne. Werther steht, grimmig dreinblickend, im roten Kapuzenshirt auf diesem „Kampfplatz“. Was zunächst gar nicht als eine richtige Inszenierung wahrgenommen wird, sondern eher wie eine konzertante Aufführung daherkommt, gewinnt im Laufe der Premiere der Oper „Werther“ von Jules Massenet im Theater am Goetheplatz immer mehr an Spannung.

Regisseur Felix Rothenhäusler ist mit seiner Fokussierung auf Charlotte und Werther ein psychologisch ausgefeiltes, hochdramatisches Kammerspiel gelungen. Dieses Konzept konnte aber nur aufgehen, weil mit Nadine Lehner als Charlotte und Luis Olivares Sandoval als Werther zwei gesanglich und darstellerisch außergewöhnlich starke Persönlichkeiten zur Verfügung stehen.

Rothenhäusler bezeichnet den Werther als Gefühlsterroristen – bei ihm gibt es keine romantische Liebesgeschichte, sondern einen existenziellen Kampf auf Leben und Tod. Werthers Liebe ist alles andere als schwärmerisch, sie ist im höchsten Grade aggressiv. Er verhält sich fast wie ein Stalker. Einmal fällt er enthemmt über Charlotte her, ein andermal prügelt er sich mit Albert. Und Charlotte wird von ihrem Konflikt zwischen Pflicht und Neigung seelisch zerrissen. Bei der langen Sterbeszene Werthers wird der Zuschauerraum erleuchtet und das Publikum dadurch einbezogen.

Die phänomenale Leistung von Nadine Lehner und Luis Olivares Sandoval trägt den gesamten Abend. Lehner hat mit ihrem ausdrucksvollen Sopran auch die dunkleren Farben für die Rolle (die eigentlich eine Mezzo-Partie ist) zur Verfügung. Ihre Gestaltung ist durchgehend von solcher Intensität, dass ihre grandiose Arie „Va! Laisse couler mes larmes“ organisch in die Gesamtleistung eingebunden ist. Höchstes Lob auch für Sandoval, der die Titelpartie von Anfang bis Ende mit tenoralem Glanz, mit emotionaler Wucht in den großen Ausbrüchen und mit feinsinniger Phrasierung versieht. Die expressive Arie „Pourquoi me reveiller“ ist ein Glanzpunkt seiner Leistung.

Die Partie des Albert gewinnt in der Interpretation des hervorragenden Baritons Peter Schöne viel an Gewicht und Ausstrahlung. Und Marysol Schalit kann als Sophie zu den dramatischen Ereignissen ein heiteres Gegengewicht setzen.

Daniel Mayr am Pult der Bremer Philharmoniker bleibt der Sinnlichkeit und der Dramatik der Musik nichts schuldig.


Alle NWZ -Kritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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