Oldenburg - Standen in der vergangenen Spielzeit jeweils bunt gemischte Einzellieder aus verschiedenen Kulturen auf dem Programm der allmonatlichen Liederabende, so überraschte der Auftakt der neuen Spielzeit im Staatstheater mit einem musikalisch und inhaltlich sehr geschlossenen Programm.
Dazu gehörten die „Liebeslieder-Walzer“ op. 52 (1868) und die „Neuen Liebeslieder“ op. 65 (1874) von Johannes Brahms. Als Textvorwurf für die insgesamt 32 recht kurzen, aber charakteristisch-pointierten Lieder diente Brahms die Verssammlung „Polydora“ von Georg Friedrich Daumer, der russische, polnische und ungarische Volkslieder sehr frei nachdichtete. Der programmatische Epilog „Nun, ihr Musen, genug“ stammt aus der Feder von Goethe.
Das fast durchgängig zusammen agierende Solisten-Quartett mit Nina Bernsteiner (Sopran), Melanie Lang (Alt), Philipp Kapeller (Tenor) und Aarne Pelkonen (Bass) traf das Ironisch-Heitere und Schwelgerische der „Liebeslieder“ und nach der Pause die Erfahrung von Verzicht, Trauer und Enttäuschung in den „Neuen Liebesliedern“ durch den engagierten Einsatz stimmlicher, mimischer und gestischer Mittel zum Vergnügen des Publikums sehr genau.
Die vier Solisten waren ebenso wie das Klavierduo Akiko Nozue und Carlos Vásquez kongeniale Gestalter der geschliffenen Edelsteine, die sich aufs Angenehmste zur stimmigen Lied-Kette aufreihten. Nach diesem in sich runden Programm, das zu Recht mit großem Beifall bedacht wurde, gelang es den sechs sympathischen Musikern, dem Premieren-Abend mit der Wiedergabe des inzwischen zum Volkslied gewordenen „Abschied“ von Joseph von Eichendorff („O Täler weit, o Höhen“) noch die emotionale Krone aufzusetzen.
