Oldenburg - „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“ Dieses Dogma steht bei Andreas Bahlmann stellvertretend für die strenge Erziehung, die er in seinem katholisch geprägten Elternhaus genießen „durfte“. „Mir ging dieser Satz nie wieder aus dem Kopf“, sagt der 56-jährige Oldenburger. Im Oktober 2014 wollte der Texter und Komponist dieses Essens-Prinzip in einem Lied verarbeiten. Aus einer Textzeile wurden ganze Sätze, aus Strophen mehrere Kapitel. „Erst nach 20 Seiten konnte ich den Stift aus der Hand legen“, berichtet Bahlmann, der in Musikerkreisen nur als „Bahli“ bekannt ist. Der Grundstock für ein autobiografisch angehauchtes Buch war gelegt. Anderthalb Jahre später ist das Werk fertig: „Red House“ hat er das Buch betitelt, das jetzt im Oldenburger Isensee-Verlag erschienen ist.
Für Bahlmann war diese Überschrift naheliegend. Denn dahinter verbirgt sich der gleichnamige Song von Gitarren-Legende Jimi Hendrix. Als er im Alter von acht Jahren auf dem Mono-Plattenspieler seines Cousins das erste Mal dieses Stück mit Hendrix’ Gitarren-Intro hörte, war bei Bahlmann die Begeisterung für erdigen Bluesrock entflammt: „Dieser Song war bei mir die Initialzündung.“ Geradliniger Rock’n’Roll und gefühlvolle Balladen wurden seine ständigen Begleiter. „Blues ist für mich ein Lebensgefühl, eine „Haltung“, sagt „Bahli“.
Nach dem von den Eltern verordneten Blockflöten- und Klavierunterricht brachte er sich Gitarre und Schlagzeug selber bei. Trommeln und Becken wurden zu seinen Herzensinstrumenten. Professionell erlernte er das Schlagzeugspiel an Schulen in Paris, Straßburg und Düsseldorf. Heute betreibt er selber in Oldenburg eine Schlagzeugschule und spielt in verschiedenen Bands, unter anderem bei Helmut Debus und „Wrong Haircut“. Zusammen mit Eckhard Harjes bildet er das Duo „E & B Haircut“. Die tiefe Verbindung zur Musik und die Liebe zum Leben bilden die Basis für Bahlmanns Geschichten aus den 1960er bis 80er Jahren, die er ohne Chronologie erzählt und die „ohne den Blues“, da ist er sich sicher, „einen anderen Verlauf genommen hätten“. Es geht um Kindheit und Schulzeit, Erwachsenwerden, Freundschaft und Musikererlebnisse.
Das Wort „Blues“ leitet sich zwar von der bildhaften englischen Beschreibung „I feel blue“ („ich bin traurig“) ab, „Bahlis“ Buch hingegen bietet auch eine Menge Stoff zum Schmunzeln. Etwa, wenn es um in jungen Jahren verpasste Rendezvous-Chancen geht, weil im entscheidenden Moment die Liebe zur Musik doch stärker war. Den Soundtrack zu „Red House“ liefert übrigens eine Titelliste am Ende des Buches.
Verleger Florian Isensee freut sich, dass sich ein interessantes Stück Oldenburger Musikszene in dem Buch wiederfindet: „Wir hören uns auf literarische Weise Musik an – das hatten wir so noch nicht.“
