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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Liebeserklärung an Chaoten

05.02.2007

OLDENBURG Das Stück begeistert im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Es spielt das Ensemble der August-Hinrichs-Bühne.

von Lore Timme-Hänsel OLDENBURG - „Elling“ ist angekommen. Mit der niederdeutschen Fassung von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen des viel gespielten Bühnenstücks von Axel Hellstein (nach dem Roman von Ingvar Ambjörnsen) feierte die August-Hinrichs-Bühne am Oldenburgischen Staatstheater jetzt eine überaus gelungene deutsche Erstaufführung im Kleinen Haus.

Das Publikum belohnte die große schauspielerische Leistung mit langem Applaus. Es hat knapp zwei Stunden lang herzhaft gelacht über den ganz normalen Alltagswahnsinn („Jüst as in Wehnen“), über kleine und große Marotten, derben Witz und hintergründigen Humor. Das Lokalkolorit trägt seinen Teil zum Erfolg der Inszenierung von Thomas Willberger bei.

Elling (Helge van Hove) und Kai-Uwe (Harald Maack) haben von der „Dokterschen“ (Karin Haan) einen wichtigen Auftrag erhalten: Nach zwei Jahren in der Psychiatrie in Wehnen (wo sie to’n Verpuusten waren) sollen sie sich im Alltag bewähren, selbstständig und „normal“ werden.

Aber wenn man so viele „brägenklüterige Grabben“ im Kopf hat, wird alles zum Abenteuer: Einrichten, einkaufen, kochen, telefonieren, aufräumen.

Elling ist ein hochneurotisches Muttersöhnchen, ein Spanner und Stalker, der sich an die Seite der Bundestagsabgeordneten Karin Evers-Meyer träumt. Er vermisst die Teestunden mit Mutter, die Gesprächstherapie ist kein angemessener Ersatz.

Kai-Uwe hat nur ein Problem: Er hat noch nie mit einer Frau . . . und das halbe Leben schon hinter sich. Er ist ein einziges sexuelles Notstandsgebiet und würde selbst mit einer lesbischen Pastorin an einer Sex-Hotline vorlieb nehmen. Van Hove und Maack überzeugen mit großer Spielfreude, das Publikum lacht Tränen über ihre Slapstick-Einlagen und Dialoge voller Wortwitz. Es leidet mit, wenn die Verletztheiten zutage treten, die aus Elling und Kai-Uwe das gemacht haben, was sie sind: liebenswerte Chaoten – wie wir alle (mehr oder weniger). Nur: Wir haben Mittel und Wege gefunden, unsere Marotten zu verbergen. Elling und Kai-Uwe sind dagegen zum Verrücktwerden ehrlich.

Die gemeinsame Wohnung ist Schutzraum, der Sozialarbeiter Frank (Michael Meine) muss Überredungskünste aufwenden, dass seine Schützlinge „unter Menschen“ gehen, beispielsweise zum Grünkohlessen in den „Bloherfelder Krug“. Aber vor der Wohnungstür findet Kai-Uwe schließlich seine Frau. Heidrun (Silke Freese) ist hochschwanger und sitzen gelassen worden. Er stürzt sich mit Wonne in die Beziehungskiste.

Elling ist das zu viel Beziehungs-Kuddelmuddel, er tobt vor Eifersucht, entdeckt die Poesie und macht ebenfalls einen Schritt ins Leben und beschließt, Untergrund-Poet zu werden. Seine Gedichte versteckt er im Supermarkt in Nudelpaketen. Und es kommt, wie es kommen muss: Der Leiter der Kulturredaktion dieser Zeitung entdeckt eines der Gedichte und druckt es ab. Seitdem fragt sich die Region: Wer ist E.?

Elling hat es ja gewusst: All’ns geiht in was anners över. So ist das Leben: kurios und irgendwie wahnsinnig. Diesen Erkenntnisprozess hat die August-Hinrichs-Bühne unterhaltsam und absolut sehenswert in Szene gesetzt.

Karten: 0441/222 51 11

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August-Hinrichs-Bühne

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