Harpstedt - Der Gesang in Männerchören hat eine lange Tradition in Deutschland. Chöre, die auf eine 175-jährige Geschichte zurückblicken können, gibt es aber bestimmt nicht viele. Für die Harpstedter Liedertafel also ein Grund zum Feiern, und das wird der Männerchor am 24. April, 17 Uhr, mit einem großen Chorkonzert in der Christuskirche auch tun.
Die Geschichte des Chores ist bis in die Anfänge zurück ziemlich genau dokumentiert. Schon zum 150. Geburtstag vor 25 Jahren hatte der Chor die Materialien zusammengetragen. „Als sich die Gründer der Liedertafel zusammenfanden“, heißt es in der Chronik des Vereins, „war der Flecken Harpstedt ein Ort von knapp 1000 Einwohnern.“ Eine Kirche mit zwei Pfarrern, die Schule mit zwei Lehrern, Arzt, Apotheker, Handwerker und Kaufleute bildeten eine Bildungsschicht, die das Entstehen eines Gesangvereins begünstigte. Geübt wurde in den Sälen der Gaststätten. Im Winter, wenn dort nicht geheizt wurde, in einem Schulraum, wo dann die Sänger reihum für die Heizung zu sorgen hatten.
Einen Chorleiter zu finden, war in den ersten Jahren nicht ganz einfach. Meist waren es örtliche Lehrer, die ihr Gehalt als Dirigenten der Liedertafel aufbesserten, allerdings wechselten diese oft nach wenigen Jahren.
Überhaupt war die Geschichte des Männergesangvereins von einigen Brüchen geprägt. Nach 1873 kam das Vereinsleben bis 1879 zum Erliegen, blühte dann aber so auf, dass der Chor sich eine Höchstmitgliederzahl gab. Mehr als 30 Sänger waren nicht zugelassen, so dass es bald einen zweiten Chor gab: den Gesangverein Eintracht. Im ersten Weltkrieg stellten erneut beide Chöre ihre Tätigkeit ein.
Nach Kriegsende wurde wieder gesungen, für zwei Chöre war der 1400 Einwohner zählende Flecken aber zu klein – Liedertafel und Eintracht schlossen sich zusammen. In diesen Jahren war das Vereinsleben rege: Im alten Bund, zu dem auch die Liedertafeln Bassum, Sulingen und Wildeshausen gehörten, wurden Sängerfeste veranstaltet, es gab Ausflüge und Reisen, bis die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre das Vereinsleben erneut stark beeinträchtigte.
Auch der späteren Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten, so stellt es die Chronik dar, konnte sich der Chor nicht entziehen. Der Vorstand wurde vom „Vereinsführer bestimmt, Parteigegner durften ihm natürlich nicht angehören. Der Verein sang nicht nur bei öffentlichen Veranstaltungen. Er wurde auch zu Sammlungen für die Winterhilfe herangezogen. Als immer mehr Sänger zur Wehrmacht eingezogen wurden, blieb neben den schon gestoppten Übungsabenden auch die übliche Sangestätigkeit zu Hochzeiten, Silberhochzeiten und Beerdigungen aus.
Nach dem zweiten Weltkrieg konnte die Liedertafel ihre Arbeit erst 1947 wieder aufnehmen und bereichert seitdem das kulturelle Leben in der Samtgemeinde – auch wenn die Zahl der aktiven Sänger, wie bei vielen anderen Chören, in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft ist.
