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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Das Schreiben allein ist weniger lustvoll“

12.10.2019
Frage: Schon vor 18 Jahren haben Sie gemeinsam ein Kinderbuch über die Rettung eines Wolfes geschrieben, das aktuell in überarbeiteter Form vorliegt. Wie sehr liegt Ihnen das Thema heute noch am Herzen?
Paluch: Als wir das Buch geschrieben haben, waren Wölfe in Deutschland noch ein fiktives Szenario. Je mehr sie sich angesiedelt haben, desto aktueller wurde das Thema. Mittlerweile stehen sie sogar auf der tagespolitischen Agenda.
Habeck: All die Jahre über war der Umgang mit Wölfen in einer engen Kulturlandschaft voller Konflikte, Ängste, aber auch Faszination. Ich war gerade Umweltminister in Schleswig-Holstein, als 2012 der erste Wolf kam. Es war, als hätte mich unser Buch eingeholt. Insofern hat uns das Thema niemals ganz verlassen.
Frage: Glauben Sie, dass man mit informierten Kindern – das Buch enthält einen elfseitigen Sachteil – die Zukunftsaussichten des Wolfes in Deutschland verbessern kann?
Paluch: Es ist gut, wenn man sich auf der Grundlage von Informationen eine Meinung bildet. Je mehr Kinder – und Erwachsene – wissen, desto differenzierter ist ihre Sichtweise. Und Kinder wachsen ja absehbar in die Rolle derjenigen hinein, die zukünftig die Entscheidungen treffen werden.
Frage: Welche Umweltthemen würden Sie noch gern literarisch bearbeiten?
Paluch: Im Grunde jedes. Man kann kaum eine aktuelle Geschichte erzählen, ohne dass im Lebenskontext einer Figur ein Umweltthema vorkommt.
Frage: Wie politisch darf ein Kinderbuch sein?
Paluch: Ohne zu wissen, wie man das misst, würde ich sagen: total politisch. Wieso sollte es da Grenzen geben?
Habeck: Und gerade in dieser Zeit, in der die Jugend demonstriert und in einem gewissen Sinn viel politischer ist als wir, gilt das doch.
Frage: Sie haben jahrelang als freie Schriftsteller gearbeitet und gemeinsam veröffentlicht. Warum hatten Sie sich für die doppelte Autorenschaft entschieden?
Paluch: Na ja, seit zehn Jahren arbeiten wir nicht mehr zusammen. Roberts Beruf ist jetzt Politiker. Aber da gehört er ja auch hin.
Habeck: Es war damals eine sehr bewusste Entscheidung, zusammen zu schreiben. Wir hatten kleine Kinder und wollten beide beides: arbeiten und für sie da sein. Da haben wir uns gedacht, warum nicht am besten beides zusammen tun?
Frage: Wie darf man sich das gemeinsame Schreiben vorstellen? Haben sie sich abgewechselt? Wer hat über den Handlungsverlauf entschieden?
Paluch: Wir haben uns die Texte sozusagen „ersprochen“. Geschrieben werden mussten sie zwar auch, aber die eigentliche Arbeit war das gegenseitige Vorlesen und Korrigieren. Abend für Abend, Wort für Wort. Jede Entscheidung wurde erstritten und ausdiskutiert.
Frage: Inzwischen veröffentlichen Sie nur noch unter Ihrem Namen, Frau Paluch. War das eine Umstellung? Oder fällt das Schreiben ohne die Diskussionen jetzt leichter?
Paluch: Ich finde das Schreiben allein weniger lustvoll. Ich habe kein Gegenüber mehr, das mir Korrektiv und Inspiration zugleich ist. Es war eine deutliche Umstellung, nun mit mir und meinen Gedanken unkommentiert allein am Schreibtisch zu sitzen. Ohne zu reden und ohne zu lachen. Aber es geht natürlich auch.
Frage: Herr Habeck, Sie kommen erneut nach Oldenburg. Diesmal lesen Sie auf der Kibum gemeinsam mit Ihrer Frau aus dem Buch „Ruf der Wölfe“. Wie oft haben Sie schon vor Kindern gelesen?
Habeck: Früher war das mein Beruf, heute ist es für mich die absolute Ausnahme. Ich darf die Kibum eröffnen, deswegen war das jetzt möglich. Aber ansonsten mache ich eigentlich keine Lesungen mehr für Jugendliche und Kinder, was schade ist. Aber die Politik lässt mir dafür nur noch wenig Raum.
Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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