Die ersten beiden Romane des 48-Jährigen fanden nicht viel Aufmerksamkeit. Ganz anders sein jüngster, der vielfach hochgelobt wird.
Um diesen Artikel zu lesen, schließen Sie eines unserer Angebote ab oder loggen sich als Abonnent ein. Alle Inhalte auf NWZonline und in der NWZ-Nachrichten-App stehen Ihnen dann uneingeschränkt zur Verfügung.
FRAGE:
Herr aus dem Siepen, muss sich der Steuerzahler Sorgen machen, weil deutsche Beamte offenbar so viel Zeit haben, dass Sie nebenbei noch Bücher schreiben können?
AUS DEM SIEPEN
: Nein, zu allen Zeiten hat es schon schreibende Beamte gegeben. E.T.A. Hoffmann etwa war Rat am Berliner Kammergericht und hat dabei höchst unbeamtische Geschichten geschrieben. Und auch der Regierungsrat Joseph von Eichendorff, wenn er an seinem Berliner Schreibtisch saß, dachte wohl gelegentlich auch an die rauschenden Wälder und mondbeschienenen Marmorstatuen, ohne dabei seine dienstlichen Pflichten zu verletzen.
FRAGE:
An was arbeiten Sie im Auswärtigen Amt in Berlin?
AUS DEM SIEPEN
: Ich arbeite im Planungsstab. Das ist eine Arbeitseinheit, wie der Name schon sagt, die über den Tag hinausgehende, längerfristige außenpolitische Konzepte entwickeln soll. Und ich beschäftige mich besonders mit Russland, wo ich schon auf Posten gewesen bin.
FRAGE:
Haben Sie eine persönliche Affinität zu Russland?
AUS DEM SIEPEN
: Das Land interessiert mich als Diplomat, aber auch als Schriftsteller, weil ich die russische Literatur sehr schätze. Ich kann sie, muss ich jetzt unbescheidenerweise sagen, im Original lesen.
FRAGE:
Sie haben vor dem Roman „Das Seil“ schon zwei andere Bücher geschrieben, die allerdings nicht sonderlich erfolgreich waren. Hatten Sie beim aktuellen Buch gleich das Gefühl, es könnte Bestseller-Format haben?
AUS DEM SIEPEN
: Darüber habe ich mir eigentlich weniger Gedanken gemacht.
FRAGE:
Sie haben es nicht so mit Bestseller-Listen?
AUS DEM SIEPEN
: Gerade wenn man zwei Bücher geschrieben hat, die nicht die ganz große Aufmerksamkeit gefunden haben, dann kommt es einem etwas vermessen vor, bei der Niederschrift des dritten zu überlegen, ob es wohl auf einer Bestseller-Liste landen könnte. Das ist im Übrigen auch nichts, was mich antreibt beim Schreiben.
FRAGE:
Wie sind Sie überhaupt auf die Idee zu diesem Plot gekommen? Ein Seil, das unvermutet im Wald liegt und einfach kein Ende hat, auch nicht, als ein ganzes Dorf auf die Suche danach geht.
AUS DEM SIEPEN
: Ich habe diese Idee geträumt. Eines Morgens saß ich auf der Bettkante und erinnerte mich, in der Nacht von einem Seil geträumt zu haben, das immer länger wurde. Ich dachte, daraus könnte man eine Erzählung machen. Wie die Rückschau zeigt, hatte ich damit nicht ganz Unrecht. Träume vergessen sich ja leicht . . .
FRAGE:
. . . es sei denn, dass man sie am Morgen jemandem erzählt . . .
AUS DEM SIEPEN
: . . . genau. Deshalb habe ich sofort mein Notizbuch gezückt und den Traum aufgeschrieben. Denn als Diplomat bin ich Beamter, und als Beamter bin ich ordentlich. So erklärt es sich, dass ich schon morgens, wenn ich auf der Bettkante sitze, korrekt notiere. Ich verlege sozusagen die literarische Arbeit in meine Träume. Dagegen kann ja wohl niemand etwas einwenden.
FRAGE:
Arbeiten Sie bereits an einem neuen Buch?
AUS DEM SIEPEN
: Natürlich. Ich schreibe überhaupt meist an mehreren Manuskripten nebeneinander und durcheinander. Das entspricht meinem persönlichen Arbeitsstil.