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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Live Aid: Das größte Rockspektakel aller Zeiten

13.07.2020

London Bei Superlativen ist Vorsicht geboten. Aber was am 25. November 1984 in einem Londoner Studio zusammenfand, ist das wohl größte Staraufgebot, das jemals eine gemeinsame Platte aufnahm: U2, George Michael, Annie Lennox, Phil Collins, Culture Club, Duran Duran, Status Quo, Ultravox, Paul Weller, Frankie Goes To Hollywood, Spandau Ballett, Paul Young und Martyn Ware – sie alle waren der Einladung ihres Kollegen Bob Geldof gefolgt.

Der Frontmann der Punkband The Boomtown Rats („I Don’t Like Mondays“) hatte 14 Tage zuvor eine TV-Dokumentation des BBC-Reporters Michael Buerk über die Hungersnot in Äthiopien gesehen – und war ergriffen. Tief betroffen von den Bildern des Schreckens gründete er spontan ein Hilfsprojekt und taufte es Band Aid. Gemeinsam mit Midge Ure von der Popgruppe Ultravox schrieb Geldof den Song „Do They Know It’s Christmas Time“. Damit brachte er eine ungewöhnliche Benefizplatte auf den Weg, an der weder die Künstler noch die Plattenläden verdienen durften. Für das Projekt, das sein Leben verändern sollte, legte Geldof sogar seine eigene vielversprechende Musikerkarriere auf Eis.

„Do They Know It’s Christmas Time“ erschien in einer Blitzaktion zum Äthiopien-Wohltätigkeitskonzert in der Royal Albert Hall am 7. Dezember 1984, organisiert vom Save The Children Fund. Mit drei Millionen Exemplaren allein in den ersten fünf Wochen wurde der Song zur am schnellsten verkauften Single aller Zeiten. Sie führte in England, Amerika, Deutschland und zehn weiteren Ländern die Charts an.

Geldof schloss rund um die Welt Non-Profit-Vereinbarungen ab und gründete die Band-Aid-Stiftung, die die Überweisung der Erlöse an die Afrika-Hilfe garantieren sollte. Als sich die Auslieferung der Hilfsgüter an die Bedürftigen als problematisch herausstellte, kam er auf die Idee, mithilfe einer zweiten Spendenaktion Lkw zu kaufen.

„Feed The World“

Unter dem Motto „Feed The World“ wollten Geldof und Ure das größte Benefizkonzert auf die Beine stellen, das die Welt je gesehen hatte. Und zwar an zwei Orten gleichzeitig: in der Wembley-Arena in London und im JFK-Stadion in Philadelphia. Rockpromoter Harvey Goldstein entpuppte sich als der perfekte Partner für ein in jeder Hinsicht nie dagewesenes Unternehmen. „Ich hatte keine Chance Nein zu sagen“, erinnert er sich. „Bob stürmte in mein Büro und sagte: ‚Wir machen das jetzt!’ Und dann ging es los.“

Die BBC stand bereit, das 16-stündige Programm in voller Länge zu übertragen. Welcher Künstler will bei solch einem Mega-Konzert schon fehlen. Dennoch musste Bob Geldof auf Tricks zurückgreifen, indem er zum Beispiel Elton John anrief und sagte, Queen und Bowie seien dabei, obwohl sie es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht waren. Anschließend kontaktierte er David Bowie und sagte: „Elton John macht bereits mit – Du doch sicher auch, oder?“

Live Aid erwies sich als beispielloser Triumph der Kooperation. Die größten Rock- und Popstars der Welt erklärten sich bereit, ohne Gage für die Hungernden in Äthiopien, Eritrea und dem Sudan zu spielen. Harvey Goldstein über die chaotische Planungsphase: „Es gab einen Punkt, wo Bob und ich mit Jagger und Bowie in meinem Büro saßen und verzweifelt versuchten, uns vorzustellen, wie wir es schaffen sollten, dass 40 Bands an ein und demselben Tag in Amerika und in England auftreten. Live Aid war eine total verrückte Idee!“

Und plötzlich war der 13. Juli 1985 da, der Geschichte schreiben sollte. Im Wembley-Stadion hatten sich schon am Morgen 72 000 Zuschauer eingefunden, darunter Lady Di und Prinz Charles. Auch das gigantische JFK-Stadion in Philadelphia hat seitdem nie wieder so viele Besucher gesehen. Auf dem Schwarzmarkt wurden die begehrten Tickets für umgerechnet bis zu 1400 Euro gehandelt.

Der Konzert-Marathon mit David Bowie, U2, Sting, Elton John, George Michael, Status Quo, Dire Straits, Bryan Ferry, Madonna, Paul McCartney, Queen, Mick Jagger, Keith Richards, Tom Petty, Neil Young, Tina Turner, Paul Simon, Harry Belafonte und Bob Dylan war es das wahrscheinlich sogar wert. Bei der Reunion von Led Zeppelin saß kurioserweise Phil Collins am Schlagzeug. Er war auch der einzige, der zuerst in London auftrat und anschließend mit der Concorde nach Philadelphia flog, um dort nochmals zu spielen.

Im Schlepptau des Genesis-Frontmannes befand sich Cher. Die US-Pop-Diva saß zufällig in derselben Maschine und beteiligte sich spontan am Finale in Philadelphia. Das Spektakel bescherte den weltweiten Fernsehsendern Einschaltquoten von bis zu 85 Prozent. Zwischen den einzelnen Auftritten erinnerte Bob Geldof die Zuschauer immer wieder an den Anlass der einzigartigen Zusammenkunft: „Leute, geht heute Abend mal nicht in die Kneipe. Bitte bleibt zu Hause und spendet uns euer Geld. Genau in diesem Moment sterben Menschen!“ Hunderte von Telefonleitungen waren frei geschaltet, um die Spenden entgegen zu nehmen.

Erwartungen übererfüllt

Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. Allein während des fünfminütigen Auftritts der Beach Boys gingen in Amerika 22 000 Anrufe ein. Am Schluss konnte sich Geldof über 130 Millionen Euro freuen – bis heute sind noch mal 40 Millionen dazugekommen. Nie zuvor und auch nicht danach hatte eine Einzelperson eine derartige humanitäre Leistung vollbracht.

Die Schattenseite: Laut Harvey Goldstein, der im April an den Folgen einer Sars-CoV-2-Infektion starb, habe die Gigantomanie des Live Aid-Spektakels letztlich dazu geführt, dass heute nicht mehr der Künstler und seine Kreativität im Mittelpunkt des Interesses stehen, sondern der Popstar und sein Glamour.

Live Aid 1985 war ein einmaliger Moment, der sich nicht wiederholen lässt. Nun jährt sich das Ur-Ereignis zum 35. Mal. Auch wenn es für ihn der größte Coup seines Lebens war, glaubt Bob Geldof, dass heutzutage ein Rockfestival als Instrument der Veränderung nicht mehr funktionieren würde. Schuld daran sei das Internet, das „die Welt zu Individualisten“ gemacht habe.

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