Bremen - Liebe geht durch den Magen, besagt ein Sprichwort, das die meisten Plattdeutschen sofort bestätigen würden. Sie lieben ihre traditionell eher deftige Küche so wie ihre Sprache. Und das mit Recht, wird der Leser von „Plattdüütsch kökern“ feststellen.

Volker Butenschön, Experte für norddeutsche Lebens- und Eigenart, hat 40 klassische Rezepte von der Vorspeise bis zum feuchtfröhlichen Absacker zusammengetragen. Zum Loblied auf die plattdeutsche Hausmannskost serviert er kurze hochdeutsche Schnackereien.

Der Plattdeutsche liebt das, was ihm das Meer und der Acker vor der Haustür schenken. Salat muss nicht sein, ist in seinen Augen eher was für Kaninchen. Und krüsch ist alles das, was er nicht kennt. Gut und lecker ist für ihn, was sich über die Jahre, Jahrzehnte oder besser noch Jahrhunderte bewährt hat. Und wenn es schmeckt, darf es auch eine anständige Portion sein. Schmalhans hat in der plattdeutschen Küche nichts zu suchen.

An Vorspeisen tischt Butenschön unter anderem einen Krabbensalat mit Radieschen auf. Dazu gibt es eine Anleitung, wie Krabben gepult werden. Wenn man’s kann, ist es ganz leicht. Die Rezepte für Hochzeitssuppe, Erbsensuppe und Hamburger Aalsuppe einschließlich ihrer Zubereitung – selbstverständlich auf Plattdeutsch – verraten den Praktiker am Herd. Damit bei Hochdeutschsprechern nichts Falsches in den Topf wandert, listet ein Glossar die wichtigsten Wörter auf.

Volker Butenschön bricht eine Lanze für die lange Zeit verpönte Steckrübe und bringt fast in Vergessenheit geratene Gerichte in Erinnerung wie zum Beispiel den Eintopf Birnen, Bohnen und Speck, De gröne Hein genannt, oder Pluckte Finken, ein Bohnengericht mit Kassler Nacken. Auch Labskaus, Grünkohl und Pannfisch kommen bei ihm auf den Tisch.

Eine Fundgrube für Naschkatzen sind die Nachspeisen. Neben der obligatorischen Roten Grütze, der Friesentorte und dem Butterkuchen gibt’s Rezepte für die Buttermilchcreme „Jungfer mit rode Backen“ (Errötende Jungfrau) und das Hefegebäck Futtjes.

Zu den norddeutschen Küchenklassikern gibt es Informationen über ihren Ursprung und humorvolle und pikante Anekdoten rund ums Essen. Ein Lesevergnügen, das Appetit macht auf den nächsten Gaumenschmaus und aufs Plattdeutsche.

Volker Butenschön (52), geboren und aufgewachsen in Aukrug in Schleswig-Holstein, arbeitet als Designer in Lüneburg. Er ist plattdeutscher Muttersprachler. „Plattdüütsch kökern“ (Carl Schünemann, Bremen, 92 S., 14,90 Euro) ist nach „Suutje, mucksch un füünsch“ das zweite Buch, in dem er sich humorig mit dem norddeutschen Wesen befasst.