Oldenburg - Am Sonntag war gefühlter Frühlingsanfang. Wo kann man den Frühling besser begrüßen als mitten in solch einem stillen Grün wie dem Botanischen Garten, dessen laue Märzluft nur vom Gezwitscher der Vögel erfüllt wird, mitten in der Rückkehr der Farben? Die Älteren zieht es zu den aufleuchtenden Krokussen voller Bienengesumm, die Jüngeren wie den dreijährigen Björn Giesemann mit seinen Eltern vorbei an Windpyramide, Axolotl-Aquarium, Grüner Schule, Helmperlhuhn und Rußköpchen zum Hobbithaus. Tanja Giesemann sagt: „Das ist für Erwachsene und Kinder ein schöner Ort, es hat sich ganz viel hier entwickelt, ohne es dabei mit der Ordnung zu übertreiben, das gefällt uns.“

Für viele Oldenburger ist der Botanische Garten ein Hort der Ruhe und des Rückzugs, aber auch einer überaus angenehmen Art der Belehrung. Erdacht hat sich den feinen Flecken am Philosophenweg der Oldenburger Wilhelm Meyer. In diesem Jahr wäre der Gründer des Botanischen Gartens der Universität 150 Jahre alt geworden.

Mit einer Ausstellung und Vorträgen wird Meyer deshalb geehrt. Der Gründer wurde am 24. August 1867 geboren. Der Botaniker Prof. Dr. Peter Janiesch, langjähriger Leiter des Botanischen Gartens, sagt: „Meyers unermüdlichem und weitblickenden Einsatz ist es zu verdanken, dass der Garten auch in schwierigen Zeiten erhalten blieb.“

Als Zeichenlehrer am Lehrerseminar hatte Meyer nicht ganz freiwillig 1913 den Seminargarten am Haarenesch übernommen und ihn zu einem Botanischen Garten weiterentwickelt. Botanik war zumindest bis dahin nämlich nicht seine Passion gewesen. Als Zeichenlehrer hatte er sich vor allem mit Tieren beschäftigt, sehr erfolgreich hatte er es verstanden, nach der Natur zu zeichnen und sich damit am Lehrerseminar einen Namen gemacht. Tiere, aber nicht Pflanzen. In seinen Lebenserinnerungen schrieb er später über die Situation vor der Gründung des Gartens: „Ich habe mich vor der Botanik gefürchtet und habe nie gelernt, eine Pflanze zu bestimmen.“

Das änderte sich aber sehr schnell. Meyer arbeitete sich in seine neue Aufgabe ein und wurde innerhalb von drei Jahren zu einem der größten Botanik-Experten des Oldenburger Landes. Er stand im Austausch mit Botanikern in der ganzen Welt. Von der „Samenbude“ aus, dem spannenden, geheimnisvollen Ort botanischer Exotik mitten im „Garten“, wurden Samen in die ganze Welt verschickt – und aus der ganzen Welt erhalten.

Mit vielen Freiwilligen leitete Meyer die Reichkartierung des Oldenburger Landes ab 1927. „Unvergessen bei vielen Lehrern war sein innovatives Bestimmungsbuch ,Bestimmen mit Bilderleisten’“, sagt Janiesch. Zur Vorbereitung der Ausstellung sucht der Botanische Garten noch Bilder von Wilhelm Meyer selbst und vom Botanischen Garten vor 1950. Auch ein Kontakt zu Verwandten von Meyer wäre schön. Der Botanische Garten ist unter Tel. 77 76 54 oder bot.garten@uni-oldenburg.de zu erreichen.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg