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Aktualisiert vor 3 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Debatte: Die Stunde der Denkmalstürmer

13.06.2020

London Großbritannien bereitet sich auf ein heißes Wochenende vor. Die Demonstrationen gegen Rassimus und Diskriminierung, die unter dem Motto von „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen) stattfinden, werden immer zahlreicher. Gleichzeitig rufen rechtsradikale Organisationen wie die „English Defence League“ zu Gegendemonstrationen auf. Der Londoner Bürgermeister Zadiq Khan befürchtet, dass es am Wochenende in der Hauptstadt zu gewalttätigen Konfrontationen kommen wird und beschwört Demonstranten, „zu Hause zu bleiben und die Rechtsradikalen zu ignorieren.“ Vorsichtshalber wurde in London das Denkmal von Winston Churchill eingeschalt. Kürzlich hatten Demonstranten das Monument des Kriegspremiers mit dem Wort „Rassist“ besprüht.

Es ist die Stunde der Denkmalsstürmer. Im südenglischen Bristol wurde die Statue von Edward Colston vom Sockel gerissen, durch die Stadt gerollt und dann unter Jubelgeschrei im Hafenbecken versenkt. Colston war Sklavenhändler im 17. Jahrhundert, der seinen Reichtum einem Monopol verdankte: Die „Royal Africa Company“, der er vorstand, durfte exklusiv den Sklavenhandel mit der Neuen Welt organisieren und transportierte Hundertausende Afrikaner nach Amerika. Vor der Verschiffung wurde den Sklaven das RAC-Kürzel auf die Brust gebrannt.

Es wird geschätzt, dass zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert bis zu 17 Millionen afrikanische Männer, Frauen und Kinder nach Amerika verkauft wurden. Der lukrative Handel hat viele Briten reich gemacht.

Der Sturz von Colston löste einen Domino-Effekt aus. Waren die ersten BLM-Demos im Königreich noch Solidaritätsaktionen, mit denen man des Todes des US-Amerikaners George Floyd gedenkt, so entwickelten sie sich schnell zu Protesten gegen den Rassismus im eigenen Land und insbesondere gegen die kolonialistische Vergangenheit des Königreichs.

Dunkle Seite

Großbritannien hat nie kollektiv diese dunkle Seite der nationalen Geschichte aufgearbeitet. Überall im Land gibt es Statuen und Denkmäler von Personen, die in den Sklavenhandel verwickelt waren. Viele Kommunen beginnen zu prüfen, welche von ihnen entfernt werden sollen.

Den Anfang machte am Dienstag der Londoner Bürgermeister, der die Statue des Sklavenhändlers Robert Milligan demontieren ließ. „Es ist eine traurige Wahrheit“, sagte Khan, „dass wir eine Menge unseres Reichtums dem Sklavenhandel verdanken. Aber das müssen wir nicht auch noch auf öffentlichen Plätzen feiern.“ Die Organisation „Topple the Racists“ hat eine Liste von 78 Denkmälern und Straßennamen veröffentlicht.

Lager unversöhnlich

Im rechten Lager provoziert das Gegenreaktionen. Fußball-Hooligans, meldete die „Times“, haben Sympathisanten dazu aufgerufen, Denkmäler zu schützen. Rechtsextreme Organisationen wollen an diesem Wochenende durch London marschieren. Justizminister Robert Buckland wies die Amtsgerichte an, Überstunden zu machen, um gewalttätige Demonstranten schnell aburteilen zu können.

Die Lage droht, sich zuzuspitzen. In Großbritannien ist ein schwelender Kulturkampf voll entbrannt, der früher unter dem Banner des Brexit loderte und jetzt vor dem Hintergrund von imperialistischer Vergangenheit und rassistischer Realität aufflammt.

Die Lager sind ähnlich: in der einen Ecke die linken, meist jungen, multikulturellen Demonstranten, in der anderen Ecke meist weiße, ältere, rechtslastige und den Brexit verlangende Bürger. Großbritannien bleibt zerrissen.

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