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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kino: Elf Freunde und ein Wildschwein

24.04.2018

London Irgendwann in der Steinzeit, gegen Mittag in der Nähe von Manchester: Ein Meteoriteneinschlag löscht die Dinosaurier aus. Nur eine Gruppe von Höhlenmenschen bleibt verschont. Sie finden einen glühenden Klumpen. Weil der zu heiß ist, kicken sie ihn durch die Gegend und erfinden damit quasi versehentlich das Fußballspielen. So stellt der britische Regisseur Nick Park („Wallace & Gromit“) in seinem neuen Animationsfilm „Early Man – Steinzeit bereit“ die Geburtsstunde des Fußball dar. Der Lieblingssport der Engländer steht im Mittelpunkt des liebevoll animierten Knet-Abenteuers, das an diesem Donnerstag in die Kinos kommt.

Jahrzehnte nach diesem sporthistorischen Moment diskutieren die Höhlenmenschen um Stammchef Bobnar und den jungen Dug gerade, ob sie lieber Hasen oder Mammuts jagen sollen, als ihnen Besucher aus der Bronzezeit den Tag verderben. Der skrupellose Lord Nooth erklärt die Steinzeit kurzerhand für beendet und vertreibt die gutmütige Truppe aus ihrem geliebten Dorf im Wald. Die einzige Chance, ihre Heimat zu retten, ist ein Fußballspiel. Wenn Dug und Co. gegen die übermächtige Mannschaft von Real Bronzio gewinnen, dürfen sie ihr Dorf behalten. Das wäre so, als müsste eine Hobbymannschaft gegen den FC Barcelona bestehen.

Nick Park und seine Firma Aardman Animations sind Spezialisten für die auch als Knetanimation bezeichnete Stop-Motion-Technik. Neben „Wallace & Gromit“ schufen sie mit der Komödie „Chicken Run – Hennen rennen“ und der TV-Serie „Shaun, das Schaf“ weitere Kultwerke des Genres, die mit witzigen Details und der liebevoll gestalten Optik begeisterten.

In „Early Man – Steinzeit bereit“ widmet sich Park im Jahr der Weltmeisterschaft passenderweise dem Fußball. Mit britischem Humor nimmt er das sportliche Trauma seines Landes auf die Schippe. Seit dem WM-Titel 1966 konnte die englische Nationalelf nämlich kein Turnier mehr gewinnen. Den Triumph von 1966 stellt Park subtil nach.

In „Early Man – Steinzeit bereit“ haben die prähistorischen Engländer wegen anhaltender Erfolglosigkeit zunächst sogar mit dem Fußball aufgehört. Aber dank ihrer Trainerin und Spielgestalterin Goona, die als Frau im Bronze-Team nicht mitspielen darf, kommen Dug und seine Freunde bald in Turnierform. An ihren Trainingsmethoden hätte der frühere Bayern- und Wolfsburg-Trainer Felix „Quälix“ Magath wohl seine Freude gehabt. Am Ende gilt jedoch das alte Fußball-Motto: „Elf Freunde müsst ihr sein.“ Ober besser: elf Freunde und ein Wildschwein.

In der Originalfassung des Films leihen Hollywood-Stars wie Eddie Redmayne („The Danish Girl“) und Tom Hiddleston („The Avengers“) den Figuren ihre Stimmen. In der deutschen Version ist Schauspieler Friedrich Mücke als Dug zu hören. Komiker Kaya Yanar spricht Lord Nooth, die Moderatorin und Schauspielerin Palina Rojinski ist die quirlige Goona. Einige fußballspezifische Gags gehen in der Übersetzung zwangsläufig verloren, das Filmvergnügen wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Anders als so mancher überladene digitale US-Animationsfilm punktet der altmodisch produzierte „Early Man – Steinzeit bereit“ mit seiner originellen Geschichte, dem britischem Humor und vielen großartigen Ideen. Einer der urkomischen Höhepunkte ist eine Szene, in der das Wildschwein Hognob als Masseur einspringen muss. Und dann gibt es auch noch eine gigantische Ente, die den Höhlenmenschen das Leben schwer macht.

Man muss weder Fußballfan noch Sporthistoriker sein, um sich bei „Early Man – Steinzeit bereit“ köstlich zu amüsieren. Der Film begeistert vor allem mit smartem und skurrilem Witz, der mitunter fast an die legendäre britische Comedy-Truppe Monty Python erinnert.

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