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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kino: Keine Zeit, um auf Bond zu warten

09.11.2020

London Die Warterei auf den neuen James-Bond-Film ist für einige 007-Fans offenbar nicht mehr zu ertragen. Nach der vierten Verschiebung des Kinostarts von „No Time To Die“ lancierte eine Gruppe namens Team Bond im Internet eine Crowdfunding-Kampagne. Ihr ambitioniertes Ziel: 607 Millionen Pfund – rund 670 Millionen Euro – an Spenden zu generieren, um die Rechte an dem Actionthriller (deutscher Titel: „Keine Zeit zu sterben“) mit Daniel Craig zu erwerben und den Film noch vor Weihnachten ins Fernsehen zu bringen. „Bond rettet Weihnachten“ lautet das Motto der Initiatoren.

Chance auf Streaming?

Die Summe basiert auf Medienberichten der vergangenen Wochen. Demnach habe das Studio MGM den Streamingmarkt sondiert und angeblich 600 Millionen Dollar – nicht Pfund, wie von Team Bond irrtümlich avisiert – für den Film verlangt. Doch dieser Betrag scheint unrealistisch, denn der bislang letzte James-Bond-Film „Spectre“ aus dem Jahr 2015 spielte weltweit 880 Millionen Dollar (751 Millionen Euro) ein.

„Der Film steht nicht zum Verkauf“, stellte jetzt auch ein MGM-Sprecher im US-Branchenmagazin „Variety“ klar. Schließlich habe man den Filmstart verschoben, „um das Filmerlebnis für ein weltweites Kinopublikum zu ermöglichen“. Die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, die seit den 90er Jahren die Geschicke des smarten Geheimagenten leiten, sollen sich ebenfalls klar gegen die Streaming-Variante ausgesprochen haben.

Der Vorstoß war immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Kinobetreiber weltweit. Mit 007 hatten viele die Hoffnung verbunden, dass sich die von der Corona-Krise gebeutelte Branche wieder ein wenig erholt. Die anfängliche Empörung darüber, dass „No Time To Die“ dann doch nicht wie zwischenzeitlich geplant am 12. November starten sollte, ist mittlerweile dem blanken Entsetzen darüber gewichen, dass ihre Filmtheater komplett geschlossen bleiben müssen. Womit sich die Bond-Produzenten in ihrer Entscheidung, den Start erneut zu verlegen, bestätigt sehen.

Kampagnen und Trailer

Broccoli und Wilson werden es sich nicht leicht gemacht haben. Die PR-Kampagne für den 25. James-Bond-Film war gerade zum zweiten Mal angelaufen – mit neuem Trailer, Plakaten, Podcasts und dem Musikvideo von Popstar Billie Eilish, die den Titelsong singt. Dazu die üblichen Sponsoring-Deals – Unternehmen wie Nokia, Omega und DHL hatten große Kampagnen mit 007-Bezug lanciert. Doch die Corona-Lage führte schließlich zum Umdenken. Und vielleicht trug auch das enttäuschende Einspielergebnis von Christopher Nolans Blockbuster „Tenet“ im Sommer dazu bei. „Diese Sache ist einfach größer als wir alle“, erklärte Hauptdarsteller Daniel Craig (52) in der „Tonight Show“ von US-Moderator Jimmy Fallon. „Wir wollen, dass die Leute den Film auf die richtige Art und auf sichere Weise sehen können. Auf der ganzen Welt sind gerade Kinos geschlossen. Aber wir wollen den Film weltweit zur selben Zeit veröffentlichen. Und jetzt ist nicht die richtige Zeit.“

Dass es bei dem neuen Starttermin im Frühjahr bleibt, ist angesichts der Unvorhersehbarkeit der Corona-Lage nicht sicher.

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