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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“

24.05.2019

London Wie erklärt man einem Kind den nationalsozialistischen Terror, wie macht man Antisemitismus, Verfolgung und Flucht begreifbar? Judith Kerr schaffte es: Als junge Mutter schrieb sie für ihre Kinder auf, wie sie als Neunjährige mit ihrer jüdischen Familie 1933 aus Berlin geflüchtet war. Ihr Vater Alfred Kerr (1867–1948) war in der Weimarer Republik ein gefeierter Kritiker. Die Nazis verbrannten seine Bücher.

Judith Kerrs Kinder- und Jugendbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ (1971) wurde zum preisgekrönten Bestseller und zur Pflichtlektüre in deutschen Schulen. Am Mittwoch ist Judith Kerr im Alter von 95 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben, wie ihr britischer Verlag Harper Collins am Donnerstag mitteilte. Verlagschef Charlie Redmayne würdigte sie als „wunderbaren und inspirierenden Menschen“: „Sie war eine brillante Künstlerin und Geschichtenerzählerin, die uns ein außergewöhnliches Werk hinterlassen hat.“

Dass aus der Flucht aus Nazi-Deutschland keine traumatische Erfahrung wurde, führte Judith Kerr vor allem auf die Lebenseinstellung ihrer Eltern zurück: „Meine Mutter war so positiv, dass wir das eigentlich als ein Abenteuer sahen. Es war schreckliche Not – aber wir haben das damals noch nicht bemerkt“, sagte sie vor einigen Jahren der Deutschen Presse-Agentur. Für viele jugendliche Leser war ihr halb-autobiografischer Roman um das Mädchen Anna die erste Begegnung mit den Schrecken unter den Nationalsozialisten.

1936 ließ sich die Familie in London nieder. Kerr absolvierte dort die Kunsthochschule. Nach dem Krieg war sie als Redakteurin für den Sender BBC tätig, wo sie ihren Mann, den britischen Fernsehautor Nigel Kneale, kennenlernte. Sie waren bis zu seinem Tod im Jahr 2006 über ein halbes Jahrhundert lang miteinander verheiratet.

1968 schaffte sie den Durchbruch in Großbritannien mit ihrem Erstlingswerk „Der Tiger kommt zum Tee“. Es entstand aus Gutenachtgeschichten für ihre Tochter Tracy, über einen lächelnden Tiger mit menschlichen Augen und viel Appetit. Ein millionenfacher Bestseller.

Dann verewigte sie ihr exzentrisches Haustier als „Mog, der vergessliche Kater“. Mehr als ein Dutzend weitere Bücher über seine Abenteuer folgten. Ihre farbenfreudigen Zeichnungen regten die Fantasie von Generationen an. Sie war bekannt für ihre Bescheidenheit, obwohl sie Millionen Bücher weltweit verkaufte,.

Trotz Leichtigkeit und Humor war Düsternis stets präsent in ihren Büchern und verlor dadurch an Schrecken. Doch 2002 schockte sie ihre Fans, als sie ihren berühmten Kater sterben ließ, um Kindern sanft beizubringen, mit Verlust umzugehen. In einem Interview erklärte Kerr: „Als ich es schrieb, waren mein Mann und ich um die 80 Jahre alt, und ich dachte an die, die wir verlassen würden. Ich wollte so etwas sagen wie: ,Erinnert euch an mich, aber lebt euer Leben weiter‘.“

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