LONDON - „Du läufst die Baker Street entlang – ein neuer, harter Tag liegt vor Dir. Dann säufst Du Dich durch die Nacht und versuchst, alles zu vergessen“: Die Melancholie in den Versen des Welthits „Baker Street“ lässt sich bei den angenehmen Saxofon-Klängen von Gerry Raffertys Song leicht überhören. Schon damals, im Jahr 1978, schrieb der schottische Folk-Rock-Musiker über seinen Kampf gegen den Alkohol, über seine Hoffnung, dass „nächstes Jahr alles besser wird“.

Am Montag ist Rafferty in seinem Haus in Dorset im Beisein seiner Tochter Martha im Alter von 63 Jahren gestorben. Auch wenn ihm bereits 1972 mit der Band Stealers Wheel und dem Song „Stuck In The Middle With You“ der weltweite Durchbruch gelang, kennen ihn bis heute die meisten nur durch „Baker Street“, dessen Tantiemen ihm jährlich ca. 80 000 Pfund (94  000 Euro) einbrachten. Zwischendurch veröffentlichte er einige Platten, die zwar nicht berühmt wurden, aber deren Qualität Experten auch nie anzweifelten.

In den vergangenen 20 Jahren mied er die Öffentlichkeit. Schlagzeilen machte er zuletzt 2008, als er nach einem tagelangen Trinkgelage sein Zimmer in einem Londoner Luxushotel zerstörte. Zwischenzeitlich verschwand er, niemand wusste, wo er war. Man spekulierte sogar über eine Entführung. Wenn man den Gerüchten glaubt und seinen Liedern zuhört, erahnt man das Bild eines Getriebenen. Ob ihn die Karriere glücklich machte, ist ungewiss. Offen für Interpretationen bleiben die letzten Zeilen von „Baker Street“: „Wenn Du aufwachst, ist ein neuer Morgen angebrochen, die Sonne scheint, Du gehst nach Hause“.