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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Urgestein mit kraftvoller Stimme

04.01.2020

London /Oldenburg Man schrieb das Jahr 1966, als Chris Farlowe einer Freundin per Nummer-1-Single mitteilte, sie sei leider nicht mehr angesagt. Nun schreibt man das Jahr 2020, und über Chris
Farlowe müsste eigentlich längst dasselbe gesagt werden: „Chris, du bist aus der Mode gekommen.“ Doch das wäre eine Lüge, der Bluessänger aus London hat kaum an Popularität eingebüßt. Ein Phänomen, das viel zu tun hat mit musikalischer Klasse.

Denn sein berühmtes, von Jagger/Richards geschriebenes „Out of Time“ von 1966 ist zwar – ebenso wie weitere Charterfolge („Handbags and Gladrags“, „Ride on Baby“ und so weiter) – wichtiger Teil seiner Karriere, aber sicher nicht das bestimmende Moment für ihre Dauerhaftigkeit. „Dabei gibt es gar kein Geheimnis für diesen Erfolg“, sagt Farlowe, inzwischen 79 Jahre alt, „die Musik, die wir machen, ist Blues. Fast alles in der modernen Musik basiert auf dem Blues, auch Freddie Mercury sang nichts anderes.“ Blues – so einfach ist es also, Erfolg zu haben.

Männliche Walküre

Ähnlich wie die ehemalige Queen-Legende Mercury hat Farlowe aber noch etwas mehr zu bieten als nur einen unverwüstlichen Musikstil: eine Stimme, die ihm einst den Titel „männliche Wal-
küre“ eingebracht hat, die seinen Liedvortrag einzigartig dramatisch macht. Chris „The Voice“ Farlowe gibt sich da eher bescheiden: „Ich bin mit dieser Gabe geboren worden, und ich bin glücklich darüber.“ Allerdings gebe es auch viele Sänger, die sich nicht der Schufterei des nimmermüden Live-Auftretens unterzogen hätten, eine gute Stimme zu entwickeln.

Bei allem Talent: Fehlendes Engagement für die Musik, Faulheit gar kann man dem Engländer nun wirklich nicht vorwerfen. Seit Beginn seiner Karriere mit der John Henry Skiffle Group stand er Tausende von Nächten auf der Bühne; das blieb auch so während seiner Arbeit mit den Thunderbirds (ab 1962), den Jazz-Rockern von Colosseum (1970-1972), Atomic Rooster (1972-1974), in vielen Solo-Jahren und schließlich als unverzichtbarer Teil der Wiedervereinigung von Colosseum (1994-2015). Parallel dazu und bis heute ist Farlowe zudem mit der Norman Beaker Band (seit etwa 20 Jahren) und der Hamburg Blues Band (seit 15 Jahren) unterwegs. Rund 100 Konzerte gibt er pro Jahr, „und ich bin sehr zufrieden, dass ich das noch kann“, gesteht er.

Britischer Humor

Überraschend ist, dass diese außergewöhnliche Stimme auch im 80. Lebensjahr kaum etwas von ihrer Präzision verloren hat. Jeder Ton sitzt, jede noch so komplizierte Jazz-passage wird bewältigt. Und Farlowes Stimme kann immer noch aus jedem an sich einfachen Blues ein Ereignis machen. Aus Bluesballaden wie „I’ll sing this song for you“, „Stormy Monday Blues“ oder „The guitar don’t lie“ macht Farlowe Meisterwerke der vokalen Populärmusik. Und selbst schlichte Beat-Nummern wie „Out of Time“ oder „All or nothing“ gewinnen an Größe und Tiefe dank des Könnens des Sängers.

Das Schöne daran ist, dass Chris Farlowe nicht die weihevolle Leistungsschau eines Stimmakrobaten liefert, sondern solide, ja mitreißende Rockkonzerte – verbunden mit liebenswürdigen und von britischem Humor durchsetzten Ansagen. Eine Herzenswärme und Freundlichkeit dem Publikum gegenüber, die man sich vielleicht erst im Laufe einer sehr langen Karriere aneignen kann. Chris Farlowe hat diese Charakterzüge schon immer gehabt.

Klaus Fricke
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