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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Verwandlungskünstler mit starker Leinwandpräsenz

27.12.2017

Los Angeles Mit grauem Rauschebart verwandelte sich Anthony Hopkins zuletzt in den Göttervater Odin. Wie ein Alt-Hippie kam der britische Star in der nordischen Götter-Saga „Thor: Tag der Entscheidung“ daher. Nur wenige Monate zuvor ließ es die Schauspielerlegende in Michael Bays Roboterspektakel „Transformers: The Last Knight“ krachen. An der Seite von Mark Wahlberg und angsteinflößenden Kampfmaschinen behielt Sir Anthony Hopkins als englischer Land-Adliger die Ruhe.

Hopkins, der an diesem Sonntag 80 Jahre alt wird, hat die Messlatte als genialer Verwandlungskünstler hoch gehängt. In dem Bibel-Epos „Noah“ ergraute er zu Methusalem, in „Hitchcock“ nahm er die Gestalt seines legendären Landsmannes Alfred Hitchcock an. Die Ähnlichkeit mit Halbglatze, Doppelkinn und Extra-Pfunden, so wie Hitchcock um 1960 aussah, als sein Horror-Schocker „Psycho“ den Kinogängern Gänsehaut einjagte, war verblüffend.

Mit Gruselstoffen kennt sich Hopkins bestens aus. Als psychopathischer Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ holte er 1992 den Oscar als bester Hauptdarsteller. Gerade einmal 16 Minuten ist er in dem Psychothriller auf der Leinwand zu sehen, doch das reichte. Das Duell zwischen dem mörderischen Kannibalen und der standfesten FBI-Agentin Clarice Starling (Jodie Foster) schrieb Filmgeschichte.

Für den Sohn einer Bäckerfamilie in Wales war es ein schwieriger Weg in die Topriege der Schauspieler. Hopkins, der sich mit minimaler Mimik eine so starke Leinwandpräsenz verschafft, war lange von Furcht und Unsicherheit geplagt. In der Schule galt er als Eigenbrötler. Nach dem Militärdienst schaffte er 1961 die Aufnahme an die renommierte Royal Academy of Dramatic Arts in London. Am Theater konnte er sich den Ruf eines vielseitigen Charakterdarstellers erwerben – allein als „King Lear“ stand er zahllose Male auf der Bühne.

Über hundert Film- und Fernsehauftritte hat Hopkins in seiner 50-jährigen Karriere absolviert. Er war Adolf Hitler in „Der Bunker“ (1981), Quasimodo in „Der Glöckner von Notre Dame“ (1982), der gefallene US-Präsident Richard Nixon in Oliver Stones „Nixon“ (1995). Für ihn selbst gehört die Rolle des aufopfernden, allzu perfekten Butlers in dem Drama „Was vom Tage übrig blieb“ (1993) zu seinen wichtigsten Filmen.

Damals drehte er zum ersten Mal mit Emma Thomp­son. Fast 25 Jahre danach stehen die gefeierten Briten nun wieder gemeinsam vor der Kamera – für eine neue Verfilmung von Shakespeares „King Lear“, mit Hopkins in der Rolle des titelgebenden Monarchen. Der Kinostart ist für 2018 geplant.

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