LOS ANGELES - Er ist seit über 40 Jahren im Filmgeschäft, doch Al Pacino ist nicht zu stoppen. Hollywoods Vorzeige-Mafioso und Krimiheld, der an diesem Sonntag 70 Jahre alt wird, geht derzeit wieder auf Verbrecherjagd. In dem Polizei-Thriller „Son of No One“ spielt er einen Detektiv in einem Arbeiterviertel.
Auch mal Dr. Tod
Channing Tatum in der Rolle eines jungen Polizisten, Ray Liotta und Katie Holmes zählen zu der Ensemblebesetzung. In diesem Monat fiel in New York der Startschuss für die Dreharbeiten. Ausgerechnet an seinem Geburtstagswochenende feiert der Star in einer weiteren Charakter-Rolle Premiere. Beim US-Sender HBO steht das Drama „You Dont Know Jack“ auf dem Programm. Unter der Regie von Barry Levinson verwandelt sich Pacino in den amerikanischen Sterbehilfe-Arzt Jack Kevorkian. Der als „Dr. Tod“ bekanntgewordene Mediziner war 2007 nach achtjähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen worden.
Kevorkian hat zwischen 1990 und 1998 mindestens 130 unheilbar kranken Menschen zum Tod verholfen. Pacino soll bald auch zu Salvador Dalí werden. Den Zuschlag für die Rolle hatte er schon lange erhalten.
Es war kein einfacher Start in Hollywood für „den kleinen Zwerg Pacino“, wie der 1,68 Meter große Italo-Amerikaner Alfredo James Pacino von den Produzenten des Mafia-Dramas „The Godfather“ (Der Pate) verspottet wurde. Doch Regisseur Francis Ford Coppola hatte vor mehr als 30 Jahren den richtigen Riecher und zog den unbekannten Sprössling einer sizilianischen Familie Bewerbern wie Robert Redford, Jack Nicholson oder Robert De Niro vor. Seine Rolle als Sohn des „Paten“ Don Corleone machte Pacino berühmt. In der Mafia-Trilogie (1972–1990) verwandelt sich der Schauspieler vom braven Studenten zum kaltblütigen Oberhaupt des Familienclans.
Neurotischer Dealer
Seine Mutter habe ihn schon als Fünfjährigen ins Kino mitgenommen und somit früh die Liebe zur Schauspielerei geweckt, erinnert sich Pacino an die teils schwierige Kindheit in der New Yorker Bronx. Mangels Erfolg wurde der Teenager von der Manhattaner Hochschule für darstellende Kunst verwiesen, nahm dann aber bei Charles Laughton Unterricht. Mit Ende zwanzig erspielte sich Pacino auf den New Yorker Bühnen die erste von zwei „Tony“-Trophäen. Auf der Leinwand fiel er erstmals 1970 als neurotischer Drogendealer in „Panik in Needle Park“ auf.
Nach seinem „Paten“-Auftritt als Michael Corleone, für den er 1972 die erste von acht Oscar-Nominierungen erhielt, riss sich Hollywood um Pacino als Mafioso, Polizist oder Verbrecher.
