LüBECK - Zu Ufa-Zeiten lagen Ilse Werner die Fans zu Füßen. Ihre letzten Monate aber verbrachte der Star zurückgezogen in einem Seniorenheim.
Von Eva-Maria Mester
und Christof Bock
LÜBECK - Als Ilse Werner ein Kind war, galt das Pfeifen für kleine Mädchen als höchst unschicklich. Die kleine Ilse scherte sich nicht darum und wurde berühmt. Ob auf der Bühne, im Film oder auf Schallplatte: Von Beginn ihrer Karriere an war das virtuose Pfeifen das Markenzeichen von Ilse Werner. „Hätte ich das Pfeifen für Geld lehren können, wäre ich steinreich geworden“, sagte sie selbst über ihr Talent. In der Nacht zum Montag ist die ehemalige Ufa-Schauspielerin und Sängerin mit 84 Jahren in Lübeck gestorben.Sie sei „nach kurzem Kampf ruhig eingeschlafen“, sagte ihre langjährige Freundin Edeltraut Langhals-Declair. Zu Ufa-Zeiten lagen Fans „der Werner“ zu Füßen. Die letzten Monate aber verbrachte der einstige Kinostar zurückgezogen und verarmt in einem Seniorenheim.
Rund 30 Kinofilme hat Ilse Werner gedreht, ihre größten Erfolge feierte sie vor allem in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dazu zählen Streifen wie „Die schwedische Nachtigall“ (1941), „Wir machen Musik“ (1942) mit Viktor de Kowa und „Große Freiheit Nr. 7“ (1944). Ihr Lieblingsfilm jedoch ist nie in die Kinos gekommen: 1990 drehte sie mit Gisela May und Harald Juhnke den Film „Die Hallo-Sisters“. Der Film erhielt zwar den Bundesfilmpreis in Gold, doch nur das Fernsehen strahlte ihn aus.
Die Schauspielerin, die erst im Alter von zehn Jahren nach Deutschland kam, wurde am 11. Juli 1921 in Batavia, der heutigen indonesischen Hauptstadt Jakarta, als Tochter eines holländischen Kaufmanns geboren. Den Künstlernamen Ilse Werner, den Mädchennamen ihrer Mutter, gab ihr der Theaterregisseur Max Reinhardt, in dessen Seminar in Wien sie von 1936 an ihre schauspielerische Ausbildung erhielt. Nach ihrem Debüt am Wiener Theater in der Josefstadt wurde sie für den Film entdeckt.
Mit fröhlich-frischem Temperament gewann das Multitalent die Herzen und ließ die Zuschauer für eine Filmlänge den Krieg vergessen. Ihr Talent nützte auch der Propaganda der Nationalsozialisten. Streifen wie das Heimatfront-Drama „Wunschkonzert“ (1940) trugen der beliebten Schauspielerin 1945 ein Berufsverbot ein, doch 1950 meldete sie sich auf der Leinwand zurück.
Waren es bis dahin eher die leichten, unterhaltenden Rollen, in denen sie glänzte, so schaffte sie in den 70er-Jahren den Wechsel ins Charakterfach und später auch in die Rolle der Moderatorin. Zweimal war Ilse Werner verheiratet: von 1948 bis 1953 mit dem amerikanischen Journalisten John de Forest und von 1954 bis 1966 mit dem Musiker Josef Niessen. Beide Ehen blieben kinderlos.
Noch mit rund 80 Jahren arbeitete die Werner weiter, organisierte Talk-Shows und ging mit ihrer Bühnenshow auf Tournee. Die hieß natürlich „Die Frau mit Pfiff“, und ohne ein Pfeif-Solo ließ sie das Publikum bis zuletzt nicht von der Bühne.
Vor ihrem Tod lag Ilse Werner zwei Monate lang auf der Pflegestation. Zwei Hüftoperationen hatte sie über sich ergehen lassen müssen; im April war sie erneut gestürzt. In Lübeck hatte sie sich 1998 niedergelassen, nachdem sie mehr als 70-mal umgezogen war. „Ich verändere mich eben gerne“, hatte sie selbst diese Unruhe erklärt. Ihre letzte Ruhe will die Schauspielerin in Potsdam finden.
