Lübeck - Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, hat an die Theater appelliert, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. „Ob Geschlechtergerechtigkeit, #MeToo-Debatte, Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder die Auswirkungen der Digitalität auf unsere Häuser – es geht um einen Kulturwandel, den wir alle mitgestalten müssen“, sagte Khuon am Freitag bei der Eröffnung der Jahreshauptversammlung des Bühnenvereins im Lübecker Theater.
300 Teilnehmer aus ganz Deutschland – Intendanten, Verwaltungsdirektoren und Kulturpolitiker – sind dabei, „so viele wie noch nie“, sagte Khuon. Dem Bühnenverein gehören rund 100 Orchester und 217 Theater an, davon 74 Privattheater. Nach Angaben des Bühnenvereins liegen die Besucherzahlen der öffentlich getragenen Theater seit Jahren nahezu unverändert bei rund 21 Millionen im Jahr.
Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU) lobte den Bühnenverein für seine Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung und Gewalt im Kulturbereich. Der Wertekodex, der in Lübeck verabschiedet werden soll, sei „ein wichtiges Signal“, sagte Prien bei der Eröffnung. Ebenso richtig sei es, mit der unabhängigen Beratungsstelle auch ein konkretes Angebot zu schaffen.
Die Vertrauensstelle solle bereits in einigen Wochen in Berlin errichtet werden, hieß es. Im Zusammenhang mit der #Me too-Bewegung seien auch in einigen Theatern Belästigungsvorwürfe bekanntgeworden, hatte der Geschäftsführende Direktor des Bühnenvereins, Marc Grandmontagne, kürzlich berichtet.
Auf der Tagung spielt auch das Thema Geschlechtergerechtigkeit eine große Rolle – nur rund 20 Prozent der Führungspositionen in Theatern und Orchestern sind mit Frauen besetzt. Prien forderte den Bühnenverein auf, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen: „Da gibt es eindeutig etwas aufzuholen, setzen Sie es um!“
