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Konzert Luther als deutscher Held

Melanie Hanz

Jever - Martin Luther als Heldenbariton, dramatische Rufe nach „Luther und Freiheit! Luther und Sieg! Freiheit und Sieg!“, und Sätze wie „Doktor Martinus, der Held des Herrn, den Gott seinem Volke zu Wittenberg erweckte“: Das Oratorium „Luther in Worms“ des Jeverländer Komponisten Ludwig Meinardus (1827 bis 1896) bietet einen erstaunlichen und tiefen Einblick in bürgerliche Befindlichkeiten des 19. Jahrhunderts.

Entstanden ist das Oratorium in den Jahren 1870/71 – da war gerade das deutsche Kaiserreich gegründet, das protestantische Bürgertum gewinnt Oberwasser und reitet auf einer Welle nationaler Euphorie.

Zugleich schwelt der Kulturkampf: Es geht um Macht und Einfluss der organisierten katholischen Minderheit, die immer mehr in die Defensive gedrängt wird.

Luther wird in dieser Zeit zum deutschen Nationalhelden und Retter verklärt, dessen Kraft, Mut und Unbeugsamkeit als beispielhaft gelten – und von diesem heldenhaften Luther handelt auch das Oratorium, das Kreuzkantorei und Jugendchor Bonn, Musiker und Solisten unter Leitung der Bonner Kirchenmusikdirektorin Karin Freist-Wissing in der Stadtkirche Jever am Sonnabend aufgeführt haben.

Veränderungen in Kirche

„Dass dies möglich ist, ist dem Projekt, das von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg initiiert ist − Freiheitsraum Reformation − zu danken“, sagte Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk in ihrem Grußwort. Sie würdigte Luther und seine Zeitgenossen als Menschen, „die deutlich beigetragen haben zu den großen Veränderungen in Gesellschaft und Kirche in Mitteleuropa im ausgehenden Mittelalter“. Sie begrüßte auch Nachfahren Meinardus’ im Publikum.

Dirigentin Karin Freist-Wissing beschrieb in ihrer Einführung das Oratorium als im Stil konservativ und traditionalistisch: Meinardus verwendet barocke bis spätromantische Elemente. Zugleich sei das Oratorium von Inhalt und Form her modern. Tatsächlich ist das Werk zwischen Kirche und Oper angesiedelt und von der Dramatik her unterhaltsam. Meinardus charakterisiert seine Protagonisten musikalisch-opernhaft.

Im ersten Teil des Oratoriums, der „Fahrt nach Worms“, sind Luther und seine Begleiter auf dem Weg zum Reichstag, „befreien“ unterwegs mit einem wunderschönen „Miserere“ klagende Nonnen, Luther wird von dem schlangenhaften Glapio, dem Beichtvater des Kaisers, und Reichsrittern um Ulrich von Hutten versucht – und widersteht.

Leise Flötentöne

Im zweiten Teil (Vor Kaiser und Reich) muss sich Luther vor dem Reichstag rechtfertigen. Völlig anders als zu erwarten, spricht er seinen berühmten Satz „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ nicht zu bombastischer Musik und als Heros, sondern in leisen, leicht verzagten Tönen, unterlegt von Flöten.

Großartig und höchst dramatisch ist die Szene, in der die kämpferischen Parteien vor dem Reichstag aufeinandertreffen: Meinardus hat diesen Teil mit Doppelchören gestaltet, die als Kaiserliche und Lutherische aufeinanderprallen und zwischendrin klingt der Jugendchor mit, der auf die Melodie von „Vom Himmel hoch“ singt „Der römische Götz ist ausgetan“.

Überhaupt verwendet Meinardus für sein Oratorium die Melodien mehrerer bekannter Choräle: Luther etwa wird charakterisiert durch „Eine feste Burg ist unser Gott“.

Das Publikum erlebte im nicht ganz ausverkauften Konzert tolle Solisten, schöne Musik und einen exzellenten Chor und bedankte sich mit tosendem Applaus bei den rund 160 Mitwirkenden.

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