Bösel - Auf gute Resonanz ist am Dienstagabend ein Vortrag von Professor Dr. Hermann Gelhaus über „Martin Luther und seine Lieder“ im Gemeindesaal der evangelischen Auferstehungsgemeinde in Bösel gestoßen. Der Sprachspezialist für Lutherthemen widmete sich in seinem Vortrag Luthers Liedthemen. Für die musikalische Gestaltung sorgte Heinrich kleine Siemer.

Professor Dr. Gelhaus gab zunächst einen Überblick über das vielfältige Liedschaffen des großen Reformators. Es deckt zunächst die drei Hochfeste des Kirchenjahrs ab. Dann sind aber auch Katechismus-Themen und die Psalmen gefragt. Martin Luther hat selbst gedichtet und sogar Lieder komponiert. Als Quelle für seine Dichtungen wählte er unter anderem altkirchliche lateinische Gesänge, die er dann ins Deutsche übersetzte.

Luther verarbeitete auch deutsche Lieder, zum Beispiel „Kranzlieder“, indem er ihre Texte entfernte und durch neue, selbstgedichtete Texte ersetzte (sogenannte Kontrafaktur). „Luther beklagte, dass es so wenig deutsche Dichter und Komponisten gebe, welche Lieder für den Volksgesang in der Kirche schaffen könnten“, so Gelhaus. So war es sein Ziel, dem Gottesdienst solche Lieder zur Verfügung zu stellen.

Mit seinem Liedschaffen führte Luther einen Traditionsbruch, wohl auch einen Paradigmenwechsel, herauf. Er gab ein Vorbild ab, dem bald andere Dichter und Komponisten – zum Beispiel Paul Gerhardt – folgten. Sehr schnell sprang der Funke auch zu den Katholiken über. Es entstanden jene Gesangsbücher, aus denen unsere heutigen Gesangbücher immer noch schöpfen.