Wildeshausen - „Luther war ein Meister der Kurznachrichten. Er hätte US-Präsident Donald Trump in Grund und Boden getwittert.“ So zumindest sieht es Sebastian Schnoy. Der Autor und Kabarettist ist Mittwochabend in Wildeshausen in der Gilde-Buchhandlung aufgetreten mit seinem Programm „Luther war ein Blogger“. Schnoy sprach vor 80 Besuchern und somit vor ausverkauftem Haus auf. „Das hatten wir noch nicht“, freute sich Peter Gebhardt von der Gilde-Buchhandlung. Schnoy war mehrmals im Fernsehen zu sehen und tourt quer durch Deutschland.
Luther konnte „pitchen“
Das Thema von Schnoys Programm verriet der Titel: Es ging um den Reformator Martin Luther. Das Thema bietet sich an, wird doch in diesem Jahr 500 Jahre Reformation gefeiert. Luther habe „pitchen“ können, sagte Schnoy. Mit anderen Worten: Der Reformator habe andere von seiner Idee innerhalb von 90 Sekunden überzeugen können.
„Wir haben alle den Luther-Code in uns“, sagte der Kabarettist. Auch, wenn er vor 500 Jahren gelebt hat – laut Schnoy lebte Luther etwas vor, das die Deutschen bis heute beibehalten. Dazu gehöre das „Durchziehen von Sachen bis zum bitteren Ende“.
Ein Beispiel: Dem italienischen Astronom Galileo Galilei wurde mit Folter gedroht, würde er seine Theorie, die Erde sei keine Scheibe, nicht zurückziehen. Galilei zog die Aussage zurück – im Gegensatz zu Martin Luther. Der hätte sich für sein Anliegen, die Kirche zu reformieren, ohne Widerstand auf eine Streckbank legen lassen, sagte Schnoy.
„Sachen hinschmeißen“
Um diese Eigenart in die Gegenwart zu übertragen, nannte er ein aktuelles Beispiel: Seine Nachbarin gehe jeden Tag, bei Wind und Wetter, raus und ziehe ihre Nordic-Walking-Einheiten durch. „Man sollte auch mal Sachen hinschmeißen“, kommentierte Schnoy das Verhalten. Man solle einfach mal verrückt sein und das grüne Glas erst nach 19 Uhr in den Container werfen – und zwar in den weißen.
Überhaupt, fuhr Schnoy fort, in den Reformationstag müsse man mehr Spaß bringen. „Ich will Luther-Kostüme kaufen können.“ Bei der Gelegenheit ging er auf Halloween ein, dem Fest, das ebenfalls am 31. Oktober gefeiert wird. Dass es ein „Kommerzfest“ sei, wie man so schön sage, finde er nicht: „Wer profitiert denn davon? Die Kürbisindustrie?“
Aber nicht nur Martin Luther stand im Fokus des Abendprogramms. Die Themen Religionen, weitere „typisch deutsche“ Eigenheiten und soziale Medien kamen bei Schnoy auch zur Sprache. Besonders letztes zog er, offensichtlich mit Freude, durch den Kakao. Seiner Freundin über die Internetplattform Facebook „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ schreiben? Gebe es bei ihm nicht. Er gehe an dem Tag lieber zum Floristen und suche sich dort den schönsten Blumenstrauß aus. „Den fotografiere ich dann mit meinem Smartphone und schicke ihr ihn zu.“
Blieb am Ende des Abends die Frage, ob sich die Besucher bei dem ein oder anderen Thema wiedererkannten – denn neben lauten Lachern war auch zeitweise eifriges Kopfnicken in den Zuschauerreihen zu sehen.
