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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Mächtiges Plädoyer für deutsche Sprache

12.10.2015

Kassel Als erster Deutscher afrikanischer Abstammung hat der Schriftsteller Prinz Asfa-Wossen Asserate den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache erhalten. „Ich bin glücklich, weil die Brüder Grimm diejenigen waren, die mir das Deutsche schmackhaft gemacht haben“, sagte er am Sonnabend bei der Preisvergabe in Kassel.

Die ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) sagte in ihrer Lobrede, Asserate sei ein „Mann, der aus der Fremde kam und Frankfurter wurde“. Die Bücher des Bestsellerautors mit anspruchsvollen Themen zeichneten sich durch eine leichte, luftige Sprache aus.

Bundesheer geehrt

Asserate betonte, er betrachte den Preis als Herausforderung für sein künftiges Wirken. Der mit 30 000 Euro dotierte Jacob-Grimm-Preis gehört mit zwei weiteren zum Kulturpreis Deutsche Sprache. Er wurde zum 15. Mal vergeben. Den mit 5000 Euro belegten Initiativpreis Deutsche Sprache erhielt die Dresdner Gesangsgruppe „Wortart Ensemble“. Der undotierte Institutionen-Preis ging an das Sprachinstitut des Österreichischen Bundesheeres, das sich um Sprachschulung von Wehrpflichtigen bemüht.

Asserate sagte, er sei einer der ersten Afrikaner gewesen, dem Deutschland Asyl gewährt habe. Derzeit kämen täglich viele Menschen aus Afrika nach Deutschland. Ihnen riet er, vor allem Deutsch zu lernen. „Wenn man in einem Land leben möchte, muss man als erstes die Sprache lernen. Die Sprache ist die Basis jeder Integration.“

Großneffe des Kaisers

Er forderte die Politik auf, dem Erlernen der Sprache bei Flüchtlingen einen höheren Stellenwert einzuräumen.

Asfa-Wossen Asserate wurde 1948 in Addis Abeba in Äthiopien geboren. Er ist ein Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, Urenkel der Kaiserin Menen Asfaw und Sohn des letzten Präsidenten des kaiserlichen Kronrates, Oberst Leul Ras (Herzog) Asserate Kassa (1922–1974). Damit ist er Angehöriger des entthronten äthiopischen Kaiserhauses.

Weithin bekannt machte ihn sein Buch Manieren, 2003 erschien. Es beschäftigt sich mit europäischen und speziell deutschen Umgangsformen und wurde innerhalb kurzer Zeit ein Bestseller. Das Buch ist zuerst in der von Hans Magnus Enzensberger herausgegebenen Reihe „Die Andere Bibliothek“ erschienen

Erst im Sommer 2015 hatte sich Asserate in seiner Festansprache zum 25-jährigen Bestehen des Frankfurter Ikonenmuseums gegen die These von einem „Kampf der Kulturen“ gewandt. „Kulturen sind nicht dazu da, sich zu bekämpfen, sondern sich zu befruchten“, sagte er.

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