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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Mädchen aus Brooklyn als Diva

21.04.2017

New York Mehr als 140 Millionen verkaufte Alben, Auszeichnungen wie Oscars, Emmys und Golden Globes und unzählige Fans – aber Barbra Streisand sieht sich selbst immer noch als das „Mädchen aus Brooklyn“.

„Ich habe zwei Seiten“, erzählte sie einmal. „Zum Beispiel habe ich kein Problem damit, große Summen Geld wohltätigen Zwecken zu spenden, aber der Brooklyn-Teil in mir fragt immer noch: „Kostet diese Fliese wirklich 10,95 Dollar?“

Rote Teppiche meiden

Seit mehr als einem halben Jahrhundert feiert die im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborene Streisand Erfolge, am 24. April wird sie 75 Jahre alt – aber sie arbeitet weiter wie eh und je: Gleich zwei Alben hat sie gerade veröffentlicht, eines mit Broadway-Songs, eines mit Duetten, ab 2020 will sie eine neue Kulturhalle am World Trade Center leiten, und sie hat gerade erst wieder zwei Konzerte für Anfang Mai angekündigt. Dabei litt Streisand jahrzehntelang unter Lampenfieber, „dass es mir fast den Magen umgedreht hat“. „Ein Grund, dass ich inzwischen auftreten kann, ist, dass es Tabletten gegen Lampenfieber gibt. Ich wünschte, davon hätte mir jemand schon vor Jahren erzählt.“

Auch sonst lebt Streisand nicht gern das Leben, das man sich von einem Weltstar vielleicht vorstellen würde. Rote Teppiche meidet sie („Warum sollte ich vor einer Werbetafel posieren? Ich werde nicht gern fotografiert, Ende“), ebenso Interviews („Ich rede nicht gern über mich selbst und ich rede nicht gern über die Arbeit“). Trotzdem äußert sie sich immer wieder zu aktuellen Themen. In jüngster Zeit schießt Streisand hauptsächlich gegen US-Präsident Donald Trump. „Ich kann keinen rassistischen, fremdenfeindlichen Sexisten respektieren, der uns mit seinem Verhalten alle gefährdet.“

Die Karriere der 1942 geborenen Streisand begann in den 60er Jahren in Nachtclubs und Broadway-Revuen. In ärmlichen jüdisch-orthodoxen Verhältnissen im New Yorker Bezirk Brooklyn aufgewachsen, träumte sie schon früh von einer Schauspielkarriere. „Ich nahm Schauspielunterricht, seit ich 14 war, habe mit 15 die Medea gespielt und wollte wirklich eine klassische Schauspielerin werden“, sagte sie einmal.

„Weil ich als ,das Kind vom Straßenblock mit der guten Stimme’ bekannt war, habe ich mich bei einem Talentwettbewerb beworben. Ich dachte, so kann ich mir ein paar Mahlzeiten leisten, bevor ich Shakespeare oder Ibsen spiele.“

Keine Nasenoperation

Bei einem Nachtclub-Auftritt trifft Streisand das Songschreiber-Duo Alan und Marilyn Bergman, die ihr Hits wie „The Windmills of Your Mind“, „Solitary Moon“ oder „That Face“ schreiben werden. Aber auch auf der Bühne und in Film und Fernsehen feierte das Multitalent schließlich Erfolge. Gleich für ihren ersten großen Hollywood-Film „Funny Girl“ (1968) gewann sie einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Ihre TV-Shows gingen um die Welt. Filme wie „So wie wir waren“, „Hello Dolly“, „Nuts“, „Is was, Doc?“ und „Yentl“ wurden ebenfalls zu Klassikern.

Streisand wird zum Weltstar mit Wiedererkennungswert – wegen ihrer unvergleichlichen Stimme, aber auch wegen ihrer auffallend großen Nase. Zu einer Operation habe sie sich aber nie überwinden können. „Ich hatte Angst vor dem Schmerz. Und wie könnte ich dem ästhetischen Geschmack eines Arztes vertrauen?“

Am liebsten ist Streisand zu Hause, in dem aufwendig eingerichteten Anwesen an der Küste Kaliforniens, das sie mit ihrem zweiten Ehemann, dem Schauspieler Josh Brolin, teilt. Aus ihrer ersten Ehe stammt Sohn Jason. Mühelos könne sie Tage mit Zeitunglesen und der Dekoration ihres Anwesens verbringen, erzählt sie.

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