Ganderkesee - Die Frauen rechts – die Opfer links. Auf dem Flur des Ganderkeseer Rathauses hatten sich am Donnerstag um 14 Uhr die Mitarbeiter schon freiwillig sortiert. Denn die Herrenwelt wusste, dass es ihr jetzt an den Kragen gehen würde. „Weiberfastnacht“ stand im Kalender, fünf Damen mit Scheren (und ein Mann ohne) standen im Flur. „Schlipse“ sollten erbeutet werden, Schnitt für Schnitt.

„Die Büttenabende waren die Pflicht, der Faschingsumzug ist die Kür“, begrüßte Erster Gemeinderat Rainer Lange die Faschingsprinzessin Saskia I. Hüneke, die Ehrendamen Inga Einemann, Kora Lynn Köhler, Noëlle Dietrich und Viktoria Lübbe sowie Prinz André II. Westermann. Bei eben diesen Büttenabenden hätten alle sechs eine gute Figur gemacht. Das Wetter am Umzugstag, 6. Februar, so prognostizierte Lange, „wird passen. Um 13.45 Uhr brechen die Wolken auf“.

Der Erste Gemeinderat hatte diesmal eine besonders raffinierte Strategie entwickelt, den eigenen Binder zu retten. „Diese Krawatte werden sie verschonen. Vielleicht“, meinte er und zeigte auf ein unauffälliges, grau-silbernes Stück. Lange setze auf den Mitleidseffekt, erklärten seine Kollegen.

Die Strategie ging nicht auf. Keine zehn Minuten später war ein lustiges Gesicht in Langes Krawatte geschnitten. „Mal was Neues“, freute sich der Erste Gemeinderat da noch über das rustikale Aussehen des Schlipses. Doch weitere fünf Minuten später hingen nur mehr Stoffreste an seinem Hals.

Nicht besser erging es den Kollegen des Ersten Gemeinderates, die modische Vielfalt zeigten: Bruno Müller (Gemeindeentwicklung) beeindruckte mit dezentem Blümchenmuster-Schlips, Ralf Dietrich (Gebäudeservice) mit neongrünem Slimer-Binder, Christian Hallanzy mit nostalgischem Tapeten-Look.

Weiberfastnacht sei ein willkommener Anlass, sich von weniger geschätzten Krawatten zu trennen, erklärte Thomas Didjurgies (Gebäudeservice). Sein Schlips, ein Gewinn beim Wichteln und ein Hingucker an diesem Tage, stellte den süddeutschen Brauch des Fensterlns dar.

Keine 20 Minuten später war das Rathaus „schlipsfreie Zone“ – jedenfalls fast. Jetzt flüsterte Prinzenpaarbegleiterin Maren Schwarting den Damen einen Tipp zu: „Bürgerbüro, Zimmer 1.“ In Windeseile zog der Tross der Krawattenjägerinnen weiter, ins Zimmer von Rainer Willms.

Nach vollbrachter Tat widmeten sich die Damen den Krawatten in der Gläsernen Redaktion der NWZ . Redaktionsleiter Stefan Idel lud erst einmal zu Berlinern ein – zur Stärkung für weitere Aufgaben an dieser Weiberfastnacht.