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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Märchenwelt mit viel Lametta

28.11.2016

Bremen Weihnachtszeit ist Hexenzeit. Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ hat alle Jahre wieder Hochkonjunktur – auch in Bremen und Oldenburg. In Oldenburg hatte vor einem Jahr die Inszenierung von Michael Moxham Premiere, für das Theater am Goetheplatz in Bremen hat jetzt Alexander Riemenschneider das Werk inszeniert. Es ist seine erste Arbeit im Bereich der Oper.

Skurrile Figuren

Da die Oldenburger Produktion auf den Spielplan zurückgekehrt ist, bieten sich interessante Vergleiche an. Moxhams bunte, märchenhafte Inszenierung ist familiengerecht und im guten Sinne traditionell. Das lässt sich auch über die Arbeit von Riemenschneider sagen, die viele Stärken, aber auch kleine Schwächen hat. Das beginnt mit der Ouvertüre, die Riemenschneider mit einer im Vorhang integrierten Guckkastenbühne im Miniaturformat bebildert. Dort sieht man die Hexe und Hänsel, der gierig eine Torte verspeist. Das ist nicht zwingend, hält sich aber in der Ablenkung von der Musik noch in Grenzen.

Der erste Akt spielt in Bremen auf fast kahler Bühne, während Moxham in Oldenburg eine liebevoll ausgestattete Holzhütte präsentiert. Gleichwohl wirkt die Szenerie dank des quicklebendigen Spiels von Hänsel und Gretel auch in Bremen überzeugend. Die Auseinandersetzung zwischen Vater und Mutter rückt Riemenschneider sogar in Strindberg-Nähe: ein Ehestreit mit unterschwelliger Erotik.

Sehr gelungen ist die märchenhafte Welt des zweiten Aktes. Jan Stěepánek hat ein anregendes Bild mit riesigen Pilzen und glitzerndem Lamettavorhang im Hintergrund entworfen. Schattenriss-Effekte und malerische Farben entführen in eine magische Traumwelt. Auf die Erscheinung der 14 Engel wird verzichtet, dafür bevölkern skurrile Figuren die Bühne. Im Schlussbild schweben eine Leuchtschrift mit den Worten „Wenn die Not auf’s Höchste steigt“ und ein knallrotes Herz herunter. Das grenzt dann doch an Kitsch.

Hexe am Dirigentenpult

In Oldenburg ist die Hexe ein schrilles, knallbunt geschminktes Wesen, während sie in Bremen eher eine verführerische, elegante Dame der Halbwelt ist – eine Frau mit Geheimnissen, aber nicht wirklich zum Fürchten. Nachdem sie reichlich unspektakulär in den Backofen gestoßen wird und dieser explodiert, taucht sie als das ewig Böse wieder beim Dirigenten auf und dirigiert die letzte Szene.

Große und kleine Zuschauer werden an der Bremer Aufführung ihre Freude haben. Daniel Mayr leitete die Bremer Philharmoniker und schlug durchweg schnelle Tempi an. Das tat dem Fluss der Musik gut.

Mit Ulrike Mayer (Hänsel) und Marysol Schalit (Gretel) stehen zwei Sängerinnen zur Verfügung, die ihre Partien stimmlich und optisch überzeugend verkörpern. Beim Abendsegen zeigt sich, wie gut die Stimmen harmonieren. Patricia Andress zeichnet die Mutter als gefühlskalte Frau.

Loren Lang als Vater glaubt man die Sorge um die Kinder eher. Nathalie Mittelbach (Hexe) setzt ganz auf ebenmäßigen Gesang und vermeidet Übertreibungen. Iryna Dziashko ist ein attraktives Sand- und Taumännchen mit Jubelton in der Stimme.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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