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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Von Dichtung und Wahrheit

05.01.2019

Mainz Die Einladungen für die Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz am 18. Januar sind schon lange gedruckt – nun aber sind Zweifel an der Würdigung des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse aufgekommen. Nach Vorwürfen zum Umgang mit Zitaten und historischen Daten überprüft die Landesregierung von Rheinland-Pfalz die geplante Ehrung.

Es gebe Gespräche mit allen Beteiligten, sagte am Freitag eine Sprecherin der Staatskanzlei in Mainz. Aufgrund der Debatte um die Äußerungen des Schriftstellers wolle man mit diesem und den Mitgliedern der Fachkommission, die ihn als Preisträger vorgeschlagen hatte, den Sachverhalt prüfen.

Bei den Vorwürfen geht es Medienberichten zufolge um die von Menasse vorgebrachte Behauptung, dass der erste Kommissionspräsident des EU-Vorläufers Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Walter Hallstein, seine Antrittsrede 1958 auf dem Gelände des früheren NS-Vernichtungslagers Auschwitz gehalten haben soll. Dies war Historikern zufolge nicht der Fall.

In einem Gastbeitrag für die Zeitung „Die Welt“ schreibt Menasse, diese Information zur Hallstein-Rede habe er bei seinen Recherchen für den Roman „Die Hauptstadt“ bekommen und ohne weitere Prüfung verwendet, „denn für Romane gelten andere Regeln als für Doktorarbeiten“. Falls dieses Detail als historisches Faktum missverstanden worden sei, tue es ihm leid. Er könne nicht ausschließen, dass er in Podiumsgesprächen nach Lesungen selbst zu einem solchen Missverständnis beigetragen habe.

Der 64-jährige Wiener Autor hatte den Roman, in dem es um das Ansehen der EU geht, 2017 veröffentlicht. Das Werk wurde mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Bereits Ende 2017 warf ein Historiker Menasse vor, Hallstein zu einer tatsächlich gehaltenen Rede falsch zitiert zu haben.

Menasse räumte nun in dem Gastbeitrag für „Die Welt“ Fehler ein: „Die Anführungszeichen waren, vom wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, ein Fehler. Dafür entschuldige ich mich, das tut mir leid.“ Er habe selbst verschiedentlich darauf hingewiesen, dass er Hallstein nicht wörtlich, sondern sinngemäß wiedergegeben habe.

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